Schweine und Vorurteile

alle Menschen kennen Schweine, oder zumindestens denken sie es. Aber die allerwenigsten kommen jemals mit lebenden Schweinen und ihrer echten Lebensweise in Kontakt.

So ist es kein Wunder, dass sich die über die letzten Jahrhunderte entwickelten Vorurteile gegenüber Schweinen nach wie vor hartnäckig in der Bevölkerung halten.
Wir alle kennen die Sprüche, die auf vermeintlichen Fakten zum Schwein basieren: „Du dummes Schwein“ „Du Dreckschwein“ „Du schwitzt wie ein Schwein“ und vieles mehr.
Wir Schweinefreunde möchten Dir aber zeigen, wie Schweine wirklich sind und diese Vorurteile geraderücken. Vielleicht siehst Du Schweine künftig dann mit anderen Augen.

Dreckschwein? Mitnichten, denn ein Bad ist für Schweine Körperhygiene und Temperaturregulierung zugleich.

Schweine sind dreckig…

sie wälzen sich ja im Schlamm. Das ist kein Vorurteil sondern simple Tatsache, oder?
Fakt ist, dass Schweine an warmen Tagen baden. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass Schweine keine Schweißdrüsen besitzen und somit nicht schwitzen können. Dadurch fehlt ihnen eine „eingebaute“ Regulation ihrer Körpertemperatur.

Fakt 1: Schweine können nicht schwitzen

Schweine benötigen daher eine externe Abkühlung und baden in kleineren Gewässern, Bächen oder eben in Pfützen und Schlammlöchern.
Hierdurch gelingt es ihnen, eine Überhitzung des Körpers zu vermeiden. Bei einem Schlammbad werden zudem auch zeitgleich lästige Parasiten bekämpft. Eine geniale Lösung also, mit der sich das Schwein gleich zweier Probleme entledigt.

Wir Menschen sehen indes nur das äußere Bild von einem „vergnügt“ wälzenden Schwein im „Dreck“ und schließen daraus, dass Schweine dreckig sein müssen.

Fakt 2: Schweine achten auf Hygiene

Schweine sind extrem reinliche Tiere. Auch in der Haltung beim Menschen, werden Schweine immer versuchen, bestmögliche Hygiene einzuhalten.
Vernünftig mit ausreichend Platz gehalten, würden Schweine ihre Toilette am weit entferntesten Ort im Stall anlegen. Weit weg von ihrem Schlaf- und Essplätzen.

Doch in der aktuellen Form der Tierhaltung ist dies den Tieren nicht möglich. Sie werden auf engstem Raum zusammengepfercht und daher ist es ihnen unmöglich, ihre angeborenes Hygieneverhalten auszuleben.

Ein Besucher einer solchen Schweinehaltung wird sich also eher in seiner Meinung nach dem dreckigen Schwein bestätigt sehen, wenn die Schweine ihren Stall als Toilette „misbrauchen“, weil einfach nicht genug Platz da ist.

Wenn wir uns allerdings umgekehrt vorstellen würden, als Mensch in einem kleinen Raum eingesperrt zu sein, ohne richtige Toilette, dann würde es uns genauso ergehen. Das vermeintliche dreckige Schwein wird also zu diesem Verhalten genötigt. Durch den Menschen.

Muttersau im Kastenstand
Mutterschwein mit Nachwuchs in einem engen Käfig - dem Tier ist es unmöglich, sein Hygieneverhalten auszuleben

Schweine sind dumm…

„Du dumme Sau!“ ist sicherlich einer der bekannstesten Beschimpfungen in der deutschen Sprache. Eine Beschimpfung, die nicht weiter entfernt von der Wahrheit sein könnte.

Tatsächlich haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Schweine zu den intelligentesten Tieren auf der Welt gehören. Sie sind äußerst anpassungsfähig, können sogar komplexere Probleme lösen und sind insgesamt mit der Intelligenzleistung eines 3 jährigen Kindes zu vergleichen.
In Experimenten konnten Schweine sogar Computerspiele lösen. Sie erkennen sich selber im Spiegel, haben räumliches Vorstellungsvermögen und vieles mehr.

Schweine sind faul…

Warum gelten sie also als dumm und zudem faul?

Nun auch hier spielt die Haltungsform durch den Menschen eine entscheidende Rolle. In engsten Ställen ohne Beschäftigungsmöglichkeit eingesperrt, vegetieren die intelligenten Tiere ohne Herausforderung vor sich hin.

Ihre Neugier ist nicht zu befriedigen, jede Ecke der Stallbucht ist blitzschnell „entdeckt“ und danach herrscht ausschließlich pure Langeweile.
Die einzige interessante Beschäftigung ist dann noch die Fütterungszeit, den Rest des Tages wird dann durch pure Langeweile dominiert und die Tiere fangen an auch geistig zu verkümmern. Der Eindruck entsteht, dass außer liegen, schlafen und fressen hätten Schweine kein „Interesse“ und von Natur aus faul.

Aber in der Natur…?

Schwedische Forscher haben in einem Experiment jedoch herausgefunden, dass auch die in landswirtschaftlicher Massentierhaltung geborenen Schweine immer noch sämtliche Verhaltensweisen ihrer Urahnen, der Wildschweine, haben.
Aus dem Stall in Freilandhaltung entlassen, zeigten sie alle typsischen Verhaltensweisen binnen kürzester Zeit und so verbringen sie zum Beispiel einen großen Teil des Tages mit Nahrungssuche und mit der den Schweinen angeborenen Neugier.

Schweine im Stall
Ein enger Stall...nichts zu tun, nichts neues zu erleben...ein Leben lang.

Schweine stinken…

wie alle Säugetiere, haben auch Schweine einen eigenen Geruch. Ein vernünftig gehaltenes Schwein stinkt jedoch nicht. Auch wenn man Wildschweine im Wald antrifft, kann man lediglich einen Eigengeruch der Tiere feststellen, keinen penetranten Gestank.
Die meisten Menschen kommen jedoch allenfalls durch die Intensivstallhaltung mit Schweinen in Kontakt. Wenn man mit dem Fahrrad an einem Hof mit Schweinehaltung vorbeifährt.
Dort werden die Schweine auf engstem Raum eingepfercht und müssen diesen zwangläufig als ihre Toilette verwenden. Das hiervon ein entsprechender Gestank ausgeht ist nur zwangsläufig. Auch die durch die Bauern auf die Felder verbrachte Gülle würde man sicherlich nicht als Chanel No. 5 bezeichnen.

Unsere Ehrenvorsitzende Sabine Duda brachte es in einem Interview ostfriesich-direkt auf den Punkt: „Geruchslose Kacke gibt es nicht…“. Die Menschen riechen also lediglich die Exkremente der Tiere, nicht die Tiere selbst.

Wenn wir als Mensch auch auf nur 1m² und ohne Toilette eingesperrt würden, würde uns letztlich das gleiche Schicksal ereilen und wir würden „zum Himmel stinken“.

Dieser Eber hat "Schwein gehabt" und darf auch ins Freie