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Zum Ende der Seite springen Züchter kämpfen um das Überleben der Bunten Bentheimer Schweine
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peggy
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Züchter kämpfen um das Überleben der Bunten Bentheimer Schweine Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

„Erhalten durch Aufessen“

Nur noch wenig mehr als 200 Tiere

Nordhorn. Gerhard Schulte-Bernd ist einer von denen, die es schon immer besser gewusst haben. Die einen nannten ihn dafür einen Spinner, andere kauften bevorzugt bei ihm ihren Sonntagsbraten. Der „störrische Niedersachse“ hat im Alleingang das „Bunte Bentheimer Schwein“ auf seinem Hof in Wengsel in der Grafschaft Bentheim vor dem Aussterben gerettet. Jetzt bekommt er Unterstützung durch einen bundesweit tätigen Förderverein.
„Sehen Sie hier die Zutatenliste“, zeigt der 74-Jährige seinen Kunden wie Besuchern gerne die Futtersäcke auf dem Hof. „Weizen, Gerste, Soja, Vitamine – das ist alles. Keine Spur von schädlichem Zeug. Gesunde Gene, gesundes Futter, gesundes Fleisch. So funktioniert das mit meinen Schweinen.“
Und Gerhard Schulte-Bernd kann mit Fug und Recht von „seinen“ Schweinen sprechen. Mit 18 Jahren war er Mitbegründer des Vereins „Schwarz-weißes Bentheimer Schwein“. Schon 1950 begann er mit der Zucht dieser robusten Rasse, die das Produkt jahrzehntelanger züchterischer Bemühungen der Landwirte im Raum Bentheim, Emsland und Cloppenburg darstellte. Keine zehn Jahre später hatte sich das Interesse der Verbraucher aber bereits dem „Magerfleisch“ zugewandt und die etwas fetteren „Swatbunten“ wollte niemand mehr. Das Zuchtbuch wurde geschlossen, alle Züchter gaben ihre Bestände auf, nur Gerhard Schulte-Bernd nicht. „Ich war eben ein Dickkopf“, sagt er heute.
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte der Landwirt das Bunte Bentheimer Schwein auf eigene Faust stetig weiter und achtete dabei immer auf den Geschmack des Fleisches, aber auch auf die Robustheit der Tiere. Dass ihn seine Berufskollegen in einer Region mit einer der höchsten Mastviehdichten Europas dafür belächelten, war ihm egal.
Heute brauchen die Schweine „weder hochtechnisierte Ställe oder Wachstumsförderer“, berichtet er stolz. Auch die Ferkel werden ohne Stallheizung oder Rotlicht groß. „Ich esse gesundes Fleisch von gesunden Tieren. Und schauen Sie mich an“, sagt Schulte-Bernd und kokettiert mit seinem Alter.
Trotz der Beharrlichkeit von Bauer Schulte-Bernd sind die Bunten Bentheimer noch nicht gerettet. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und bedrohter Haustierrassen (GEH) im hessischen Witzenhausen führt sie in der Kategorie I, „extrem gefährdet“. Und obwohl das Interesse an der Zucht der „Gesundschweine“ seit etwa 20 Jahren wieder zunimmt, steht es noch immer schlecht um die für Stress unempfindlichen Tiere. Nur 60 Zuchtsauen und ein gutes Dutzend Eber stehen in deutschen Ställen, dazu noch etwa 150 Tiere ohne Eintragung ins Herdbuch. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 2,5 Millionen Zuchtsauen.
Allerdings beruhen diese Zahlen auf Schätzungen. „Niemand weiß genau, wie viele Bunte Bentheimer es wirklich noch gibt“, sagt Helge Thoelen. Der Ostfriese betreibt in Stadland-Süderschwei an der Nordseeküste seit einigen Jahren einen Arche-Hof, kümmert sich um mehrere vom Aussterben bedrohte Haustierrassen, darunter auch die „Swatbunten“. Seit ein paar Wochen ist er Geschäftsführer des „Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines“.
Für Thoelen ist die Marschrichtung klar. „Erhalten durch Aufessen. Nur so kann uns die Rettung der Rasse gelingen. Denn ohne eine Aufgabe nützen weder kulturhistorische Bedeutung noch guter Fleischgeschmack etwas.“

Von Luka Grünfeld

(Quelle: Weser Kurier)
27.04.2003 14:33
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