Schweinerassen – Eine Einführung Teil 2

Eichelmast im 19. Jahrhundert
Eichelmast im 19. Jahrhundert

Beginn der Schweinzucht

Im 18. Jahrhundert einsetzende industrielle Revolution in England änderte alles. Immer mehr Menschen zogen in die Städte, um Arbeit zu finden. Um diese zu ernähren, kreuzten die englischen Bauern frohwüchsige asiatische Schweine aus ihren Kolonien in China oder Indien und aus Südeuropa in ihre eigenen Landrassen ein. Weitere Auswirkungen für die Schweinehaltung waren die neuen Fruchtwechselsysteme des Getreide-, Obst- und Gemüseanbaus, die zu einer Verbesserung der Ernährung sowie durch die höheren Ernteerträge, eine gute Winterbevorratung und -versorgung gewährleisteten.
Dies ging allerdings auf Kosten der Waldweide,  da der Ackerbau zunehmend ausgedehnt wurde. Die Waldbesitzrechte der Feudalherren wurden dahingehend ausgenutzt, dass die Waldweide für die Schweinehaltung stark eingeschränkt oder gar verboten wurde.
Die Bauern waren gezwungen, diese wichtige Futtergrundlage nun mit Haus- und Wirtschaftsabfällen wie Wurzelfrüchte, Getreide, Nebenprodukte der Brennerei und Molkerei, Unkräuter des Acker- und Gartenbaus zu ersetzen. Die Haltung der Schweine über Nacht in Ställen bis hin zur ausschließlichen Stallhaltung, ist darauf zurückzuführen. 

Der Bedarf an Fleisch stieg stetig an. Die alten Rassen konnten, die Nachfrage durch ihr langsames Wachstum und geringere Ferkelanzahl pro Wurf nicht befriedigen. Durch Kreuzungen mit fruchtbareren Rassen und durch Zuchtauslese gewünschter Eigenschaften, entstand die (Rasse-)Schweinezucht.

England war Vorreiter:

1770 entstand das Leicester und um 1800 folgte das Small White und Essex in Großbritannien. Mitte des 19. Jahrhunderts züchtete man die Yorkshire-Rassen  (Large White  und Middle White), die 1960 nach Deutschland importiert wurden.

Im 19. Jahrhundert entstanden in Deutschland durch Kreuzung der englischen mit den heimischen Landrassen z.B. das Bayerische, das Düsselthaler (Meißner Schwein), das Baldiger Tigerschwein, das Hannover-Braunschweigische Landschwein, das Eifeler Schwein oder das weiße Fränkische Landschwein. Diese alten (primitiven) Rassen sind alle ausgestorben. Das deutsche Weideschwein im Jahre 1975. 

In der deutschen und europäischen Agrarpolitik, in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, wurde auf die Versorgung der Menschen mit billigem Fleisch gesetzt und ein gesichertes Einkommen für die Landwirte gewünscht. Schnäppchenpreise für Schnitzel, Milch, Butter und Eier waren die Folge: Masse statt Klasse.
Obwohl das Einkommen der Bevölkerung stieg, sanken die Preise für das Schweinefleisch Jahr für Jahr, genauso wie die Gewinne der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Deutschland kontinuierlich zurückgingen. 

Um die Verluste auszugleichen entwickelte sich die Massentierhaltung mit Subventionen vom Staat finanziert, so wie wir sie heute kennen:

Die alten Schweinerassen wurden durch Leistungshybriden (statt Rassevielfalt) ersetzt, die die veränderten Haltungsbedingungen

auf immer engerem Raum ohne Auslauf,
auf Spaltenböden statt Stroh,
Antibiotikaeinsatz statt Sonne, Luft und Regen,
Kastenstände statt natürlicher Aufzucht
Massenabfertigung beim Transport und Schlachtung

ertragen müssen – jeglicher arteigener Verhaltensweisen beraubt.

Nur langsam findet heute ein Umdenken statt. Es gibt viel zu wenig Landwirte, die sich wieder darauf besinnen, dass das Schwein ein Lebewesen mit Bedürfnissen ist. Immer mehr Menschen, darunter auch einige Selbstversorger, entdecken die alten robusten Schweinerassen wieder, deren Untergang durch Zuchterhaltungs-Programme vermieden werden sollen. 

Von dieser Vielfalt der Schweinerassen möchten wir in den kommenden Beiträgen berichten und die Schönheit der Schweine im Besonderen hervorheben.

Zum Teil 1

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