Schweinerassen – Buntes Bentheimer

Schweinerassen

Hausschweine wurden auf den Höfen meist von der Bäuerin versorgt. Es waren vorwiegend weiße Landschweinrassen, aber auch gescheckte Tiere darunter. 1840 wurden für die Verbesserung der Fleischqualität das Marschschwein (eine Variante des europäischen Landschweins) mit Rassen aus England verpaart. Darunter waren Berkshire-Eber und Cromwells. Nur die gescheckten Jungtiere mit Schlappohren wurden für die Weiterzucht verwenden. 
So entstand z.B. das heute ausgestorbene Baldinger Tigerschwein in Oberbaden 1857.

Vor allem in den niedersächsischen Landkreisen Bentheim, Emsland und Cloppenburg sowie das westfälische Wettringen wurde die o.g. Verpaarung praktiziert. Da es in den Würfen auch zu Ferkeln mit gelb-rötlicher Färbung und schwarzen Flecken kam, wird vermutet, dass dafür das Einkreuzen von Tamworth-Schweinen verantwortlich ist. Es könnten auch ungewollte Verpaarungen mit Wildschweinen ein Grund sein.

Das Bentheimer Schwein ist genügsam, stressresistent, fruchtbar und mit dem schwarz-weiß gefleckten Borstenkleid besonders hübsch. Sie waren in den 50er Jahren sehr beliebt. Billig im Unterhalt und das qualitativ hochwertige Fleisch ließ sich teuer verkaufen. Und dann änderte sich alles mit den Verbrauchergewohnheiten und der Umstellung auf extensiver Massentierhaltung. 

Doch auch die Regierung hatte ihre Hand im Spiel. Der Regierungspräsident von Osnabrück im Jahre 1925 ordnete an, das die Ankörung von Ebern nur noch Vatertiere mit Abstammungsnachweisen zulassen sollten. Diese Nachweise waren für die gescheckten Eber nicht vorhanden und wurden somit von der Körung ausgeschlossen. Eine Anerkennung, der bis dahin noch in den Rassemerkmalen unausgeglichenen Tiere, scheiterte. Da für die bunten Ferkel ein höherer Preis erzielt werden konnte, setzten sich die Bauern über die Verordnung hinweg und tauschten sogar heimlich Eber untereinander aus. Doch 1949/50 schenkte man dem Körgesetz wieder mehr Beachtung und es erging die Aufforderung alle bunten Eber kastrieren zu lassen. Es hagelte Proteste der betroffenen Landwirte. Und sie erreichten einen Teilerfolg, denn es wurden 150 schwarzbunte nichtgekörte Eber vorübergehend eine Deckerlaubnis erteilt. Es wurde auch versucht, das Sattelschwein aus Angeln mit dem bunten Schweinen zu kreuzen, was aufgrund der schlechteren Qualität wieder eingestellt wurde.
Weitere Versuche die Rasse offiziell Anerkennung zu lassen wurden 1952 zwar auf Grund des nicht homogenen Erbmaterials zurückgestellt, aber gleichzeitig die Erlaubnis erteilt, züchterisch des bunten Landschlages fortzusetzen, bis endlich 1955 eine Anerkennung möglich war.

Die Nachfrage nach magerem Fleisch, ließen den Züchtern des Bentheimer Schweines dann keine Wahl mehr, als auf andere „moderene Wirtschaftsrassen“ umzustellen. 
Das Herbuch der Bentheimer Schweine wurde 1964 aufgelöst und die Anzahl ging auf gut 100 Schweine deutschlandweit zurück.

Einem einzelnen Schweinezüchter, Gerhard Schulte-Bernd aus Isterberg in der Grafschaft Bentheim, ist es zu verdanken, dass die Swatbunten nicht ausgestorben sind. In den 90er Jahren war er der einzige Schweinehalter dieser Rasse.
Das 1964 geschlossene Herdbuch, wurde im Jahr 1988 durch Herrn Schulte-Bernd weitergeführt. Von dem erst 2003 gegründeten „Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines e.V.“ wurde mit dem Aufbau eines bundesweiten Herdbuchs und der Erfassung aller noch vorhandenen Bestände in Deutschland, ein Zuchtprogramm und Vermarktungsstrategien begonnen.

Das Bentheimer ist mittelgroß, unregelmäßige schwarz Flecken auf weißem oder hellgrauem Untergrund („Getigert“), langgestreckt, rahmig mit kurzem Becken, großen Schlappohren, dichtes Borstenkleid. Robust und stressressistent mit ruhigem Temperament. Ideal für die Freilandhaltung

Sau

Gewicht: 180 kg   Schulterhöhe: 70 cm

Eber

Gewicht: 250 kg   Schulterhöhe: 75 cm

Buntes Bentheimer
Buntes Bentheimer
Buntes Bentheimer - Foto: Sabine Kipka

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