Schweineallerlei – Wilhelm Busch und der Heilige Antonius von Padua

Heiliger Antonius von Padua

Sicher kennt jeder Heinrich Christian Wilhelm Busch (* 15. April 1832 in Wiedensahl; † 9. Januar 1908 in Mechtshausen) von der Lausbubengeschichte „Max und Moritz“. Der humoristische Dichter und Zeichner widmete sich in seiner Bildergeschichte „Der Heilige Antonius von Padua“ im Schlusskapitel dem Schwein und seinem Heiligen.

Doch wie bereits im Beitrag „Der Heilige Antonius“ angedeutet, verwechselte Wilhelm Busch den Antonius aus Padua mit dem Antonius Abba aus Ägypten, der der eigentliche Schweinepatron ist. Heute am 17. Januar ist der Tag des Heiligen Antonius des Großen aus Ägypten, der Tag an dem traditionell die Schweine des Antoniterordens geschlachtet werden.

Nichts desto trotz ist die Geschichte von Wilhelm Busch einfach hinreißend und mit viel Wortwitz erzählt. Aspekte wie Domestikation des Schweines, wie Schweine Salzquellen und Trüffel entdeckten, das Schwein als Tabuthema in der Religion und die moralische Aufnahme des Schweines ins Himmelreich lassen sich darin finden.

Das Schlusskapitel wird jeden Schweinefreund schmunzeln lassen.

Der Heilige Antonius - Wilhelm Busch

Der heilige Antonius, so wird berichtet,
Hat endlich ganz auf die Welt verzichtet;
Ist tief, tief hinten im Wald gesessen,
Hat Tau getrunken und Moos gegessen,
Und sitzt und sitzt an diesem Ort
Und betet, bis er schier verdorrt
Und ihm zuletzt das wilde Kraut
Aus Nase und aus Ohren schaut.
Er sprach: »Von hier will ich nicht weichen,
Es käm‘ mir denn ein glaubhaft Zeichen!«

Und siehe da! – Aus Waldes Mitten
Ein Wildschwein kommt dahergeschritten,
Das wühlet emsig an der Stelle.

Schwein - Wilhelm Busch
Antonius und Schwein

Ein Brünnlein auf, gar rein und helle,
Und wühlt mit Schnauben und mit Schnüffeln
Dazu hervor ein Häuflein Trüffeln. –
Der heilige Antonius, voll Preis und Dank,
Setzte sich nieder, aß und trank
Und sprach gerührt: »Du gutes Schwein,
Du sollst nun ewig bei mir sein!«
So lebten die zwei in Einigkeit
Hienieden auf Erden noch lange Zeit,

Und starben endlich und starben zugleich
Und fuhren zusammen vors Himmelreich. –
»Au weih geschrien! Ein Schwein, ein Schwein!«
So huben die Juden an zu schrein;
Und auch die Türken kamen in Scharen
Und wollten sich gegen das Schwein verwahren.–

Schwein gen Himmel
Schwein und Heilige Maria

Doch siehe! – Aus des Himmels Tor
Tritt unsre liebe Frau hervor.
Den blauen Mantel hält die Linke,
Die Rechte sieht man sanft erhoben,
Halb drohend, halb zum Gnadenwinke;
So steht sie da, von Glanz umwoben.

 »Willkommen! Gehet ein in Frieden!
Hier wird kein Freund vom Freund geschieden.
Es kommt so manches Schaf herein,
Warum nicht auch ein braves Schwein!!«
Da grunzte das Schwein, die Englein sangen.
So sind sie beide hineingegangen.

Schwein und Himmelpforte
Quelle:
Wilhelm Busch: Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Bde. I-IV, Band 2, Hamburg 1959, S. 132-137.

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