Schweine sind heilig – für die Völker in Papua Neuguinea

Schweine in Papua Neuguinea

Das glaubt Ihr mir nicht? Ok, ich gebe zu, nicht in unseren Breitengraden. Aber in der indonesischen Provinz Papua im westlichen Neuguinea. Dort leben Völker, für die Schweine heilige Tiere sind und mehr Wert besitzen, als für uns Geld.

Für das Volk der Kombai und die Eipo spielen Schweine in ihrer Kultur eine überlebenswichtige Rolle.

Schweine-Mythen der Ureinwohner

In den Mythen der Eipo wird beschrieben, dass Schweine als Geister in Gestalt von Steinen den Fluss heruntergespült wurden. Am Ufer angeschwemmt entstanden daraus Menschen, Hunde und Schweine. In der Mitte der Welt ruht ein Schwein, wenn es sich bewegt, entstehen Erdbeben. Auch Gewitter wird mit Schweinen in Verbindung gebracht.

Ist es notwendig ein Beschwichtigungsopfer für ihrem Gott Refafu darzubieten, töten die Kombai in der Nähe eines Flusses ein Schwein. Frauen dürfen übrigens nicht an der Zeremonie teilnehmen, da ihre Anwesenheit die Wirkung des Rituals abschwächen würde. Das Opferschwein wird gehäutet und das Fett abgeschabt und dem Gott am Flussufer dargeboten. An diesem Ort darf dann 2 Tage lang nicht gebadet werden, damit Refafu Zeit hat, dass Blut des Schweines im Flusswasser zu trinken.

Die Eipo schlachten ihre Tiere nur zu besonderen Anlässen z.B. bei Ritualen und es wird vollständig verwertet. Dafür werden geweihte Schweine ausgesucht, die in 3 Kategorien eingeteilt werden:

  • für die Sicherheit und Wohlergehen des gesamten Dorfes

  • für den Ertrag der Gärten

  • Schutz vor Feinden von Außen (andere Stämme)oo

Geldnote Schweine
Die Währung in Papua Neuguinea zeigt ein Schwein

Schweine-Tausch-System

Der besonders hohe Stellenwert des Schweines zeigt sich im Tauschhandel und in der Schweinezucht. Schweine haben für die oben genannten Völker den Wert wie bei uns Geld. Das Schwein wird z.B. auch auf einer Geldnote abgebildet.

Es gibt ein ausgeklügeltes Schweinetauschsystem. Bereits ein Kind im Alter von 5 – 6 Jahren erhält ein Schwein. Dieses Kind verschenkt im Erwachsenenalter wiederum ein Schwein und so entstehen Handelsbeziehungen, Freundschaften und Hochzeiten. Selbst Feindschaften und Verbrechen können durch ein geschenktes Schwein aus der Welt beendet oder gesühnt werden. Es gibt sogar ein Kondolenzschwein im Trauerfall.

Schweinezucht – mit den Schweinen schlafen

Die Eipo betreiben mit der ganzen Dorfgemeinschaft eine Schweinezucht. Die Aufzucht liegt in den Händen der Frauen, die sich liebevoll um die Ferkel kümmern (junge Tiere werden, wie Menschenkinder in Netzen am Körper getragen). Ja es kommt sogar vor, dass die Ferkel von einer stillenden Eipo-Frau gesäugt werden. Die Fütterung erfolgt mit Süßkartoffeln (gekocht und später roh), zerkautes Zuckerrohr und Blattgemüse zur gleichen Zeit, wie die Mahlzeit des Stammes.

Die erwachsenen Schweine folgen ihren Betreuerinnen wie Hunde. Unkastrierte Eber werden meist an der Leine geführt und nachdem sie einmal die Sauen gedeckt haben, kastriert. Die Schweine schlafen entweder mit in den Familienhütten oder in für sie angelegten Schweinepferchen manchmal werden eigene Hütten für sie gebaut. Tagsüber werden sie zu ihren Futterstellen geführt und können in brachliegenden Gelände wühlen, suhlen und fressen.

Schweinefleisch essen – nur im Ausnahmefall

In der Ernährung spielen Schweine bei diesen Völkern keine große Rolle, da sie sich vorwiegend pflanzlich ernähren. Die Eipo decken ihren Bedarf z.B. durch die Süßkartoffel.

Kombai jagen zwar auch wilde Schweine, doch ihre Grundnahrung besteht vorwiegend aus anderen Waldtieren, Fisch, Käferlarven und Pflanzen sowie Sago – das Mark der Sagoplame, aus dem sie eine Art Brot herstellen.

Sagopalme
Sagopalme
Ureinwohner Papua Neuguinea
Ureinwohner Papua Neuguineas

Für uns Europäer erscheint diese Lebensweise fremd und exotisch. Die indigenen Völker in West-Papua Neuguinea sind wenig erforscht und es werden noch unentdeckte Stämme vermutet.

In der Regierung haben sie den Ruf primitiv und steinzeitlich zu sein. Es wird ihnen nachgesagt, dass sie Kanibalen sind. Menschenrechtsverletzungen gegen sie sind deshalb an der Tagesordnung. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Veröffentlichungen über die Lebensräume zum fahrlässigen Tourismus, zu Kopfgeldjagden und zu Übertragungen von Krankheiten geführt hat, die diese Völker bedrohen.

Diese Menschen jedoch besitzen ein sehr großes Wissen über ihre Umwelt, besonders über Tiere und Pflanzen, was ihr Überleben gesichert hat. Dieses Wissen haben sie sich allein seit Jahrhunderten in der Isolation des Regenwaldes angeeignet. Hoffentlich werden sie dies in Zukunft weiterhin ungestört tun können.

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