Rund um’s Schwein -Redensarten, Sprüche und Zitate

Wildschweine

Warum finden wir das Schwein so oft in Redensarten und Sprichwörtern, ob nun im positiven wie im negativen Sinne? Weil sie uns vielleicht so ähnlich sind? Oder weil wir eng mit ihnen zusammenlebten und sie uns so vertraut waren, bis die Massentierhaltung die Tiere entfremdet hat?


Das Wort „Sau“ kann umgangssprachlich als „jemand“ oder als Steigerungsform von „sehr“, „überaus“ oder im wörtlichen Sinn von „unrein“ oder „unsauber“ sowie „unanständig“ verwendet werden.

Schon auffällig, dass vorwiegend das weibliche Schwein in Sprüchen vorkommt. Kennt jemand Sprüche mit Ebern?

 


Da hast du Sauglück gehabt oder Da hast du Schwein gehabt

= Da hast du Glück gehabt. Übrigens wurde im Kartenspiel das As, die höchste Karte, als Schwein dargestellt. Daher kommt auch die Bedeutung – Du hast den höchsten Trumpf gezogen.


Ein sauguter Mensch

= gutmütiger, hilfbereiter Mensch


Ich fühle mich sauwohl

= fühlst dich sehr wohl


Saugemütlich

= sehr gemütlich, vielleicht weil es im Schweinestall immer so mollig warm ist, und da dem Schwein ein Schmuddelimage nachgesagt wird, schwingt auch ein wenig von dem Begriff Unordnung mit.


Ein gutes Schwein frisst alles

= klar Schweine sind Allesfresser und früher wurde es mit Speiseresten gefüttert. Die Besitzer hatten selbst nicht viel und waren froh, wenn das Schwein gut zunahm, ohne viel Futter/Kosten reinzustecken. Der Ausspruch ist eine Aufforderung nicht wählerisch beim Essen zu sein oder den Teller leer zu essen und keine Rest übrig zu lassen.


Sauzeug

= minderwertige Dinge


Volle Sau

= umgangssprachlich für Betrunkener, aber auch ein Ausspruch aus Friedrich Schiller’s „Räubern“


Saubengel

= unartiges Kind

Saudreckig

= übermäßiger Unrat


Lahme Sau

= langsamer, träger Mensch


Saukram / Schweinskram

= unanständige Dinge – Sexualität


Das ist unter aller Sau

= es wurde etwas sehr schlecht ausgeführt, mindere Qualität


Wilde Sau

= Unter dem Begriff Wilde Sau wurde zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ein von der deutschen Luftwaffe angewandtes Nachtjagd-Verfahren bezeichnet – damit wird heute meist ein unkontrollierter Mensch beschrieben


Du schreibst, wie eine gesengte Sau oder Du fährst wie eine gesengte Sau

= unleserliche und unsaubere Handschrift, extrem schlechter Fahrstil


Da ist keine Sau

= niemand da


Blöde / besengte Sau

= dummer Mensch


Wie eine Sau auf dem Apfelbaum hocken

= schlechte Körperhaltung


Ankommen wie eine Sau im Judenhaus

= sehr ungelegen kommen


Mit jemanden noch nicht die Säue gehütet haben

= sich plumpe Annäherungsversuche verbitten


vor die Säue kommen

= zugrunde gehen


mit etwas eine Sau füttern können / Perlen vor die Säue geworfen

= etwas im Überfluß haben, verschwenderisch sein


von der wilden Sau gebissen

= wild, von Sinnen sein


Der hat die falsche Sau geschlachtet

= einen Fehler machen


Das imponiert keiner Sau

= beeindruckt niemanden


Da könnte einer Sau grausen

= schrecklich, da graust es einem


Wie die Sau vom Trog laufen

= undankbar sein oder früher auch ohne Tischgebet das Essen beenden


Das kann keine Sau lesen

= unleserlich


Die Sau loslassen oder die Sau rauslassen

= sich ohne Hemmungen ausleben, etwas Spektakuläres tun


Jemanden zur Sau machen

= jemanden entwürdigen, beschimpfen


Das sieht eine blinde Sau

= das leuchtet jedem ein


Da wird morgen schon wieder eine andere Sau durchs Dorf getrieben

= beschreibt eine Sache von kurzer Dauer, am nächsten Tag wird ein anderes Thema interessant


Eine Sau durchs Dorf treiben/jagen

= viel Aufregung mit einer Nachricht erzeugen. Früher wurden die Schweine durch den Schweinehirten in die Wälder getrieben. Der Schweinehirt sammelte die Tiere in der Dorfmitte und beim Austrieb, fraßen die Schweine den Unrat auf der Dorfstraße.
Außerdem gibt es eine Legende die besagt:
Eine List des Kämmerers des Gratenfelser Grafen um den Steuereintreiber zu täuschen, der auch statt Gold, lebendige Schweine in Zahlung nahm. So wurden die immer wieder die gleichen Schweine am Steuereintreiber vorbeigetrieben, bis es ihm zu viel wurde. Seine letzten Worte waren:“Nichts wie weg, ehe die Gratenfelser die nächste Sau durchs Dorf treiben!“ (Quelle: Jordan Boskov)


Sauarbeit /Schweinearbeit

= schwere oder schmutzige Tätigkeit


sauschwer

= sehr schwer


saudämlich/saudumm/saudoof

= übermäßig dumm


saudreckig

= sehr schmutzig, ist natürlich abgeleitet von der Tatsache, dass Schweine gerne die Suhle zur Abkühlung und Körperpflege benutzen


saugrob

= sehr ungepflegt, unhöflich


Saugesöff

= ungenießbares Getränk


Sauhaufen

= eine Gemeinschaft, die sich undiszipliniert, ohne Ordnung, planlos verhält, unorganisiert ist – stammt von aus der Militätsprache


Saustall

= ungeordnete Verhältnisse, jegliche Art von Unordnung


Das ist ja ein Sauladen hier

= schlecht funktionierender Betrieb/Firma


sauheiß

= übermäßig heiß


saukalt

= unerträglich kalt, eisig


Sauigel

= unreinlicher Mann


Saukerl / Sauzahn

= übler, verachtenswerter Mensch


sauigeln

= derbe, meist anzügliche Witze machen


Sauklaue

= unleserliche Handschrift


saukomisch

= überaus komisch oder seltsam


Eine Saulaune haben

= schlechte Laune haben, mührisch sein


Saumagen

= einerseits eine Pfälzer Delikatesse, andererseits jemand, der alles essen und vertragen kann


Saumäßig

= alleine ist es eher negativ gemeint, im Sinne von schlecht, mit Zusatz z. B. Saumäßig stark sehr positiv


Sauhund

= gewitzter, pfiffiger Mensch oder auch übler Mensch

(Innerer) Schweinehund

= bezeichnet die Willensschwäche, die einen Menschen daran hindert, unangenehme Tätigkeiten auszuführen


Saupreuße

= eine herablassende Bezeichnung für einen Norddeutschen in Bayern


Saurüpel/Sausack

= niederträchtiger Mensch


sauteuer

= sehr kostspielig


saustark

= sehr stark oder sehr positiv


Mir ist sauübel

= Unwohlsein


Das tut mir sauweh

= große Schmerzen haben


Was für ein Sauwetter

= schlechtes Wetter

 

Weitere Aussprüche:


Stille Schweine wühlen die größten Wurzeln aus.


Von der Sau lernen die Ferkel das Grunzen = der Apfel fällt nicht weit vom Stamm


Aus einem Ferkel wird eine Sau = Kinder nicht alles durchgehen lassen


Swine, women and bees cannot be turned = Schweine, Bienen und Weiber machen Not dem Treiber


Das Schwein wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot = Gute Vorsätze halten nicht lang => wobei Schweine sich nicht im Kot wälzen


Für ein faules Schwein ist der Erdboden immer gefroren = immer eine Ausrede parat haben


Wilhelm Busch: Mit Güte lockt fast überall die Frau ihr Schweinchen in den Stall


Ich hüte die Schweine doch nicht umsonst = Anspruch auf gerechtem Lohn, der Beruf des Schweinehirten war sehr schlecht bezahlt und meist nur ein Nebenerwerb oder


Wer nichts gelernt hat, muss wohl Schweine hüten = diejenigen, die für keine anderen Arbeiten geeignet waren, hüteten die Schweine der Dorfgemeinschaft


Harry S. Truman: Ein Mensch, der ein Schwein nicht versteht, darf niemals Präsident werden.


Edgar Ellen Poe: Menschen sind senkrechte Schweine


Ludwig Wittgenstein: Ich bin ein Schwein; dabei bin ich doch nicht unglücklich.


James Heriot: Man muss ein Schwein sein auf dieser Welt, um an das Gute im Menschen zu glauben.


Moses Maimonides: Schweinefleisch schadet dem menschlichen Körper


Guido Ceronetti: Wenn das Schwein heilig ist, wird niemand es essen


Plinius der Ältere: Ein Opferschwein mit rechtsdrehendem Schwanz sett günstigere Zeichen als ein linksherum ringelndes


Johannes Geiler von Kaisersberg: Wer eine Sau sattelt, macht aus ihr noch kein Rennpferd


Fjodor M. Dostojewski: Seht, mein hübsches Schweinchen mit den schlanken Beinchen und dem Ringelschwänzchen, macht ein schönes Tänzchen


Pelham Grenville Wodehouse: Schweine haben Flügel


Wer Eindruck machen will, kaufe sich ein Pferd, wer Reichtum erwerben will, züchtet Schweine


Auch ein Schwein im Salon bleibt ein Schwein


Wie der Schweinestall so der Bauer


Hunde schaun zu uns auf, Katzen auf uns herunter, Schweine aber betrachten uns als ihresgleichen => und was tun wir?

Photo by Eva Blue on Unsplash

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