In-Memoriam-Mittwoch

Eberchen Johannes mit Joghurtschnutee

An dieser Stelle möchten wir mit Euch zusammen durch die gemeinsame Historie unseres Vereins schweifen. Vorstellen werden wir Euch unsere ehemaligen Schützlinge sowie Aktionen, die wir als Verein auf die Beine gestellt haben.
Den Anfang macht heute der Einzug der ersten Rettungs-Schweine im Schweineparadies:

Würmchen und Johannes „auf großer Fahrt“

In einer gemeinsamen Aktion der Mitarbeiter des Tierheims Stuttgart, des Husumer-Landschwein-Züchters Stefan Ziegler (Saarland) und Schweinefreunde e. V. , fanden die beiden Schweine „Würmchen“ und „Johannes“ Aufnahme im Schweineparadies des Vereins.

Am späten Samstag-Nachmittag endete für beide die Reise aus dem Süddeutschen ins nordisch-herbe Ostfriesland, wo sie ein glückliches und sicheres Schweineleben führen dürfen.

Würmchen, das Flaschenkind

Husumer Sau Würmchen

Husumer Sau Würmchen

Würmchen ist mit der Flasche von Stefan Ziegler aufgezogen worden, da die Muttersau zu wenig Milch hatte. Weil er die kleine Wutz nicht selber behalten konnte, es aber auch nicht übers Herz brachte, Würmchen dem Schlachter zu übergeben, wandte er sich über unsere Website an andere Schweinefans, um für Würmchen ein Zuhause zu finden.
Kurz nach der Veröffentlichung der Anzeige, klemmte sich unsere 2. Vorsitzende Sabine Duda ans Telefon und klopfte die Möglichkeit ab, der kleinen Husumer Sau „Würmchen“ ein tolles Zuhause bieten zu können. Ihr Entschluss, die kleine Sau aufzunehmen war schnell gefasst, jedoch brauchte Würmchen auf jeden Fall einen Partner, denn eine Einzelhaltung kam natürlich nicht in Frage.

Auftritt: Johannes – menschenbezogener, kastrierter Eber

Eberchen Johannes mit Joghurtschnutee

Eberchen Johannes mit Joghurtschnute

Kurze Zeit nach der Anfrage von Stefan erreichte uns der Hilferuf des Tierheims Stuttgart, die kurz vorher einen kastrierten Eber von einem Waldheim für Kinder aufgenommen hatten.

Der Eber war ihnen zum Zwecke der Schlachtung geschenkt worden, was dort aber auch niemand übers Herz bringen konnte. Da Johannes (aka Joe) im Tierheim aber dauerhaft keine artgerechte Unterbringung hätte haben können, wandte sich das Tierheim mit einer Vermittlungsanzeige im Schweinefreunde-Forum an alle Schweinefans, die unsere Website besuchen. In der Hoffnung, für Johannes einen guten Platz mit schweinischer Gesellschaft zu finden.

Planung und Durchführung

Sabine nahm nun mit dem Tierheim Kontakt auf, um die Möglichkeit zu erörtern, Johannes in einer gemeinsamen Aktion zusammen mit Würmchen ins Schweineparadies zu bringen. Es stellte sich dann heraus, dass Stefan ohnehin am Wochenende in Richtung Bergisches Land fahren würde und er beide Schweine mitbringen könnte. Dort könnten wir dann die Tiere in Empfang nehmen und die weitere Strecke bis Ostfriesland übernehmen.

Würmchen genoss den Joghurt ebenfalls

Würmchen genoss den Joghurt ebenfalls

Schweine-Transport-Staffel für ein schönes Leben

Die erste Etappe ins neue Zuhause führte die Tierheim-Mitarbeiter ins Saarland, wo sie Johannes in die Obhut von Stefan übergaben. Dieser brachte sie dann am Samstag Vormittag ins Bergische Land in der Nähe von Much. Dort war auch der Rendezvous-Punkt für die Staffelstab-Übergabe an uns. Am Vorabend war Sabine per Zug in Richtung Heinsberg aufgebrochen, damit wir gemeinsam am nächsten Tag die neuen Schweineparadies-Schützlinge nach Eversmeer bringen konnten. Die Hundetransportbox wurde mit Stroh gefüllt und ins Auto gepackt und gegen 11.30h machten wir uns dann auf den Weg, gespannt darauf, was uns erwartete. Trotz der Vollsperrung der Autobahn A 4 in Höhe Engelskirchen (dort war vor einigen Wochen ein Tanklastzug unter einer Autobahnbrücke ausgebrandt und die Brücke ist seitdem nicht befahrbar), kamen wir pünktlich im sonnendurchfluteten Much-Hündekausen an.

Neben Stefan Ziegler und seiner Freundin erwarteten uns auch Bekannte und Nachbarskinder, die von den beiden Schweinen sichtlich fasziniert waren. Während es Johannes vorzog, zunächst in seiner Transportkiste zu verweilen, machte sich Klein-Würmchen auf Erkundungstour und genoss zudem die Streicheleinheiten der Menschen. Beide liessen sich dann noch einen Joghurt schmecken, wurden getränkt und dann in unseren Schweine-Express gehoben.

Beide Schweinchen sicher im Auto

Beide Schweinchen sicher im Auto

Etappenziel: Schweineparadies

Nun machten wir uns auf, die letzten knapp 400km unter die Räder zu nehmen und die Schweine so zügig wie möglich nach Ostfriesland zu bringen. Wir kamen zügig nach Köln und nahmen die A 3 Richtung Oberhausen, konnten aber trotz Wochenendverkehrs einen schnellen Stiefel fahren. Das führte uns dann zur riskanten Aussage „Wir kommen ja super voran“. Kaum ausgesprochen, verpasste uns das Schickals einen Dämpfer in Form eines „Phantom-Staus“ in Höhe Duisburg-Wedau. Immer wieder ärgerlich, wenn der Verkehrsfunk so unzuverlässig ist. Gott sei Dank ging es trotz 4km Staulänge noch vergleichsweise zügig weiter und wir machten dann einen ersten Zwischenstopp auf der A 31 in Höhe Dorsten um die beiden Wutzen zu tränken und nach ihnen zu schaun. Im Tiefflug und nach weiterer Zwischenlandung und Kontrolle in Schüttorf ging es weiter in Richtung Schweineparadies, wo wir dann im leichten Nieselregen gegen 17 Uhr eintrudelten. Durch den Transport im PKW konnten wir die Fahrtzeit glücklicherweise gut minimieren, mit Anhänger hätte es ungleich länger gedauert.

Ein Modeo steht im Gras...

Ein Modeo steht im Gras…

Geländetauglichkeitstest Ford Mondeo

Nun hiess es, den Wagen über die feuchte Wiese direkt ins Gehege zu fahren. Glücklicherweise ging dies ohne Steckenbleiben ab, so dass der Landrover von Sabine nicht zum Abschleppen benötigt wurde. Die beiden Fahrgäste waren munter und fidel und warteten sichtlich darauf, endlich Boden unter die Hufe zu bekommen. Während Sabine Klein-Würmchen ins Gehege trug, kümmerte ich mich um den doch etwas schwereren Johannes. Ein kurzes Quietschen später war er bei seiner Mitbewohnerin und keine halbe Millisekunde später steckten beide ihre Rüssel in den ostfriesischen Boden um nach Schweineart feine Leckerchen zu finden. Glücklich und zufrieden liessen sie sich von uns die Schwarte kraulen, die lange Tour hatte nun ein Ende und es hatte sich für sie wirklich gelohnt.

Endlich Schwein-sein!

Endlich Schwein-sein!

Emotionaler Abschluss eines langen Tages

Den beiden Schweinen, die sich auf Anhieb bestens verstanden, bietet sich nun im Schweineparadies des Vereins ein schweinewürdiges Leben. Die Mühen, die Tier und Mensch dafür auf sich genommen hatten, waren es wert und nun gibt es zwei zufriedene und glückliche Schweine mehr in Deutschland.

Für uns persönlich war es eine tolle Erfahrung und die Anstrengungen der vergangenen Monate für den Verein zeigen nun weitere Früchte. Im Angesicht der beiden Schweine und ihrem tollen Wesen wünschten wir uns, dass es weitaus mehr Schweinen vergönnt wäre, ein wesensgerechtes Leben zu führen. Wir wissen, dass wir nicht alle Schweine retten können und unsere Prämisse liegt auch nicht zwingend bei der Arbeit für Einzelschicksale. Dennoch ist sie ein Mosaikstein in unserer Arbeit für Schweine und durch das Schweineparadies möchten wir auf lange Sicht den Menschen aufzeigen, dass Schweine mehr sind als das Schnitzel von Morgen.

Hurra...endlich Schwein sein!

Hurra…endlich Schwein sein!

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