Heiliger Antonius und seine Schweine

Antonius der Große

Heiliger Antonius – der Schutzpatron der Haustiere

Was liegt näher, als zum heiligen Abend einen Artikel über den Heiligen Antonius zu verfassen?
Was hat ein Mann der Kirche mit Schweinen zu tun? Nun, er gilt als der Schutzpatron der Haustiere im Allgemeinen und der Schweine im Besonderen. Lasst mich von vorne anfangen und gleich was klarstellen. Es gibt einen Antonius aus Padua, den Wilhelm Busch in einer seiner Geschichten thematisierte bzw. mit unserem schweineliebenden Antonius, der auch „Schwienetüns“ genannt wird, verwechselte. Zum Antonius aus Padua und Wilhelm Busch habe ich einen weiteren Artikel vorbereit, doch wandeln wir erst einmal auf den Spuren des Heiligen Antonius Abbas aus Ägypten:

Wer war Antonius der Große (Antonius Magnus)?

Geboren um 251 in einem Dorf von Kome (heute Keman bei Heraclea) in Mittelägypten. Seine wohlhabenden Eltern (christliche Großbauern) starben recht früh. Atonius folgte den Worten Christi:“Wenn du vollkommen sein willst, verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen“ (Matthäusevangelium 19, 21). Er gab alles auf und zog mit 20 Jahren in die umliegende Wüste und lebte dort als Einsiedler. Später verbrachte er einige Jahre in einer Felsengrabkammer am Rande der Libyschen Wüste (ein Teil der Sahara) im Nordosten von Ägypten in strengster Askese und studierte die heilige Schrift.

Die Versuchungen, in denen der Versucher (d. h. Satan) Antonius Trugbilder vorspiegelt, um ihn von seiner asketischen Lebensweise abzubringen, handelten von entgangene Lebensfreuden, wie zum Beispiel familiäre Geborgenheit, dörfliche Geselligkeit, sexuelle Freuden und Wohlstand.
Die Peinigungen und Qualen, bei denen Satan seine Dämonen auf Antonius loslässt, die den Heiligen hemmungslos quälen und prügeln und ihm so fast unerträgliche körperliche Schmerzen zufügen, sind Gegenstand vieler künstlerischen Darstellungen.

Doch Antonius blieb fest in seinem Glauben, er widerstand allen teuflischen Versuchungen und wurde dafür berühmt. Immer mehr Anhänger scharrten sich um ihn.

Der „Stern der Wüste“, wie seine Jünger ihn nannten, floh über den Nil in Richtung Rotes Meer und am Berge Kolzim oberhalb des heutigen Ortes Zafarana, verbrachte er viele Jahre. Als Begründer des Mönchtums gründete er mit seinen Anhängern eine Einsiedlergemeinde, die der Vorläufer der heutigen Mönchsklöster ist. Antonius wurde nachgesagt, dass er in tiefe Geheimnisse eingeweiht und gotterfüllt war. Viele suchten seinen Rat und baten um Heilung. Er versuchte, die Christenverfolgung mit Hilfe des Kaisers Konstantin zu beenden.

Antonius starb im Jahr 356 an einem unbekannten Ort im Alter von 105 Jahren. Später wurden seine Gebeine in einen kleinen Ort in der Dauphiné, der sich später Saint-Antoine / Frankreich nennen sollte (ca. 40 km nordwestlich von Grenoble) aufgefunden. Seine Lehren leben in den Antoniter-Orden, die manchmal auch Hospitalianer bezeichnet werden, weiter.

Und wer heute an den vielen Kirchen des Heiligen Antionius dem Großen Rast macht, haltet Ausschau nach seinem schlauen Schwein.

Attribute des Hl. Antonius

Von Wolfgang Sauber – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Wikipedia

Der Antonius-Orden und die Schweine

Die Antoniter erkennt man an dem Kreuzstab in T-Form, das sogenannte Antoniuskreuz, was wohl früher ein Hirtenstab war. Was ich bisher verschwiegen habe: Antonius soll, bevor er Einsiedler wurde, ein Schweinehirt gewesen sein.

Antonius selbst wird für gewöhnlich mit dem Stab, einem Buch und einem Schwein, was ein Glöckchen um den Hals trägt, dargestellt.
Besonders hervorgetan hat sich der Orden bei der Pflege und Heilung von Kranken und Gefangenen, die an einer Mutterkornvergiftung ((brennende Schmerzen als Hauptsymptom bis zum Schwarzwerden der Glieder – Antoniusfeuer) litten. Aus Dankbarkeit wurde den Mönchen und somit Antonius erlaubt, seine – meist gespendeten und von den Dorfbewohnern gemeinsam gemästeten sowie in der Nähe der Kirche selbst gezüchteten Schweine – öffentlich frei laufen zu lassen.  Als Erkennungsmerkmal, trugen die Schweine Glöckchen oder ihnen wurde das T-Symbol aufgemalt.

Auch wenn Antonius ein Heiliger war, die Schweine wurden geschlachtet und sie galten als vernunftlose, zwar beseelte und empfindungsfähige Wesen, trotzdem waren sie dem Menschen untergeordnet und dienten zu seiner Existenz. Das Schlachtfest geschah am 17.01. jeden Jahres, um für die Ernährung der Armen zu sorgen.
Im Gegensatz zu dieser Einstellung dem Schwein gegenüber, sprach der Heilige Franziskus von Assisi von den Tieren liebevoll als „kleine Brüder“ bzw. als „Bruder Tier“. 

In manchen Quellen wird die Beziehung von Antonius zu seinem Schwein dadurch erklärt, dass das Schwein ein Symbol dämonischer Unreinheit und der Sinnlichkeit darstellt. Diese teuflischen Versuchungen verfiel der Heilige durch seine Gotteshingabe nicht. Somit war das Schwein, als Verlierer, verpflichtet Antonius zu Diensten zu sein.

Antoniuskreuz
Antoniuskreuz

Von Eva K.,  CC BY-SA 2.5, Wikimedia

Feuer, Hölle und blinde Schweine

Ein sehr schöne Geschichte, in dem das Schwein eine bedeutende Rolle spielt, ist die Sache mit dem Feuer, welches Antonius aus der Hölle für die Menschen geholt hat. Wem hier die Geschichte von Merkur bzw. Hermes in den Sinn kommt, ja gewisse Ähnlichkeiten lassen sich nicht verleugnen.


Es gab kein Feuer auf der Erde. Die Menschen froren und hielten es nicht mehr aus. Sie suchten Hilfe beim Heiligen Antonius in der Wüste, der aus Mitleid zustimmte, das wärmende Element aus der Hölle zu holen.

Am Höllentor angekommen, verlangte Antonius um Einlass. Diesen verwehrte man ihm, nur seinem Schwein erlaubte man, durch den kleinen Spalt einzutreten. Und als es hindurch geschlüpft war, begann sofort Unruhe zu stiften. Es wühlte alles um, Korkstücke flogen durch die Gegend, die brennenden Scheiterhaufen wurden verteilt, Heugabel, Marterinstrumente und Dreizacke mussten von überall her wieder eingesammelt und auf ihren angestammten Platz aufgestellt werden. Es war das reinste Chaos.

Die Teufel waren so verzweifelt, dass sie Antonius in die Hölle ließen, damit er sein Schwein mit nähme. Er berührte das Tier mit seinem Stab und es wurde wieder ganz brav. Doch der Heilige dachte nicht daran, die Hölle zu verlassen. „Ich wärme mich erst einmal auf“, sagte er und setzte sich hin. Immer, wenn ein Teufelchen an ihm vorbei rannte, um dem Fürst der Unterwelt mitzuteilen, dass eine neue Seele den Versuchungen der Hölle nicht hatte widerstehen können, schlug er mit seinem Stab dem Satansdiener auf den Rücken.
Das fanden die Dämonen gar nicht nett und er sollte es gefälligst unterlassen. Antonius stellte den Stab mit der Spitze auf den Boden neben sich. Und der nächste Teufelsbote stolperte darüber und fiel. Luzifer war es jetzt echt zu dumm, er ordnete die Verbrennung des Stabes an.

Die Teufel nahmen den Stab und zündeten die Spitze an.
Kaum berührte die Glut die Stabspitze, begann das Schwein wieder Holzscheite, Feuerhaken und Fackeln durch die Luft zu schleudern. „Nicht schon wieder,“ schrien die Teufelchen und Antonius bekam seinen Stab zurück. Sofort war das Schwein wieder gehorsam. Antonius gemeinsam mit seinem Schweinchen, durften die Hölle wieder verlassen.

Was der Höllenfürst aber nicht wusste, der Stab des Heiligen war aus Kornelkirsche geschnitzt. Diese Holzart besitzt ein schwammiges Mark, was bei Berührung mit Feuer, im Inneren weiter glimmt. Niemals hätten sie ihn mit einem brennenden Stab aus der Hölle entlassen.

Wieder auf Erden, hob Antonius den Stab gen Himmel und sang:

„Feuer, brenne immerfort!
Feuer bring ich jedem Ort,
Feuer, dass auf aller Welt
Freudenfeuer uns erhallt.“
So kam das Feuer zu den Menschen.

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Episode des Werkes „ Monachi S. Antonii opera Parisi“ aus dem Jahre 1664:
Antonius wurde zum König der Langobarden gerufen, um dessen epileptischen Sohn zu
heilen. Während der Heilige mit dem König zu Tische saß, lief eine Muttersau herein, deren
Ferkel blind waren. Der König wollte sie verjagen, aber Antonius erklärte, er sei auch für die
Tiere da und machte die kleinen Schweinchen sehend (FROEHNER, 1954).

Antonius-Schwein
Antonius der Große wird mit einem Schwein zu seinen Füßen dargestellt - hier am Kölner Dom / Nordportal

Von Chris06 – Eigenes Werk,  CC BY-SA 4.0, Link

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