Ferkelkastration nur noch mit Betäubung…ein Gewinn für den Tierschutz?

Ferkelkastration ohne Betäubung - Ein Gewinn für den Tierschutz?
Seit dem 1.1.2021 ist offiziell die betäubungslose Kastration männlicher Ferkel untersagt. Diese Veränderung der deutschen Rechtslage in der Nutztierhaltung hat lange, sehr lange und eigentlich viel zu lange auf sich warten lassen. Nur nach massivsten Protesten wurde dieses Thema durch die deutsche Politik überhaupt und äußerst widerwillig angegangen.

Warum jubeln wir Schweinefreunde als Tierschützer dennoch nicht? Warum nur ein Pyrrhussieg? Ist doch eine tolle Entwicklung, oder? Wir Deutschen zeigen doch wieder einmal, dass wir tolle Tierfreunde sind.

Auf dem Papier vielleicht. So wie diese Regelung in den deutschen Verordnungen und Gesetzen eben auch erstmal nur dort steht.
Die gängige Praxis, in der Landwirte und Beschäftigte in den großen Zuchtbetrieben, lustig und munter drauflos schnibbeln konnten, war und ist absolut verurteilenswert. Dass ein solcher Eingriff für die jungen Ferkel äußerst schmerzhaft ist und die Tiere auch danach noch leiden, dürfte jedem halbwegs klar denkenden Menschen verständlich sein.

Nun sollen die kleinen Eber also fortan narkotisiert werden. Geräte dafür gibt es schon lange auf dem Markt. Landwirte und „Betriebspersonal“ müssen/sollen sich dahingehend fortbilden lassen. Damit auch alles seine schöne deutsche Ordnung hat.

Doch das Vorhandensein eines Gerätes und die Einweisung in einem Lehrgang kann eines nicht verhindern: das die grausame Realität hinter den abgeschotteten Hallen der Tierindustrie weiter anders aussehen wird.

Ein Landwirt, der unter enormen Zeit- und Kostendruck seine Tiere produziert wird oftmals geneigt sein, die ehemalige Praxis des „Schnipp-Schnapp-Hoden-Ab“ weiterzuführen. Ein Ferkel schnell von der Mutter weg greifen, ab in den Apparat mit dem schreienden, kleinen Schwein, kurz Hand anlegen und ab wieder rein in die Abferkelbucht zur Sau, die weiterhin im körperengen Kastenstand sich nicht einmal umdrehen kann.

Nach vielen, vielen Videos, die befreundete Tierschützer und Tierrechtler gerade auch im vergangenen Jahr in deutschen Schweineställen gedreht haben, ist eines vollkommen klar: Tierschutz für Nutztiere und besonders für Schweine besteht letztlich nur auf dem Papier.

Und selbst wenn die offensichtlichen schlimmsten Missstände an die Öffentlichkeit gelangen, sorgt ein System der Herabspielung durch verantwortliche Behörden und Gerichte dafür, dass der Landwirt nicht einmal eine Geldbuße befürchten muss. Ein Haltungsverbot schon mal überhaupt nicht. Sind ja Nutztiere. Wer guckt da schon gern genauer hin.

Dies sind dann die gleichen Landwirte, denen wir von nun anvertrauen sollen, einen komplizierteren Weg der „tierschonenden“ Kastration durchzuführen, wenn das Problem doch ganz schnell und unkompliziert anderweitig gelöst werden kann. Jahrzehntelange Praxis wird sich nicht einfach aus den Köpfen der Landwirte verabschieden.

Überprüfen wird diese Vorgänge nicht ein einziger Amtsveterinär in Deutschland. Wie denn auch. Es gibt eh zu wenige davon und die vorhandenen haben oftmals einen Dienstherrn im Kreishaus, der das Parteibuch einer großen „Christlichen“ Partei mit sich führt. Der ureigenen Wählerklientel Landwirte auf die Finger klopfen? Besser nicht.

Warum müssen die kleinen Eber überhaupt kastriert werden? Das beleuchten wir demnächst in einem weiteren Artikel. Und befassen uns dabei auch mit dem Thema, warum die Wissenschaft bei so einem Thema immer wieder versagt.

Wir Schweinefreunde werden weiterhin den Finger in die offenen Wunden der Massentierhaltung legen. Auch für die kleinen Eber, deren Kastration nur ein kleiner, unwesentlicher Aspekt eines Systems ist, das unfassbares Tierleid und Elend mit sich bringt. Für jährlich über 56 Millionen Schweine deutschlandweit.
 
Die lobpreisende Pressemitteilung vom zuständigen Bundesministerium zum Thema findet Ihr hier:



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