Ethikrat fordert mehr Tierwohl und Tierschutz

Mutterschwein im Kastenstand

zwischen den vielen Meldungen rund um die Corona-Pandemie ist diese Nachricht ziemlich untergegangen:

https://www.tagesschau.de/inland/ethikrat-nutztiere-101.html


In seiner Stellungnahme fordert der Deutsche Ethikrat ein Umdenken in der Art und Weise, wie wir in Deutschland mit Nutztieren umgehen. Ein wichtiger Baustein ist dabei der Wert, den wir einem Tierleben einräumen. Bislang ist dieser im Bereich der Tierhaltung lediglich wirtschaftlichen Interessen unterworfen. Das Schreddern von Küken ist demnach „vernünftig“, weil es wirtschaftlich ist.

Viele Experten und selbst Landwirte sind sich längst einig, dass es ein Umdenken weg von der Billigstproduktion geben muss. Aber auf jeden dieser Fürsprecher kommt auch ein Gegner, der mit obskuren Argumenten einen Fortschritt für die Tiere verhindern will.

„Denkt an die Hartz-IV-Empfänger…“ heisst es dann, wenn es darum geht, das Fleisch teurer werden muss. Natürlich von Menschen, die gar keine Hartz-IV Empfänger sind oder jemanden kennen, der Hartz-IV bekommt.
Nur zu offensichtlich geht es hier um das Ausspielen zweiter Gesellschaftsgruppen, die letztlich schutzbedürftig sind: Tierleben contra arme Menschen!
Wer für die Verbesserung der Haltung von Tieren ist, stellt sich somit gegen Hartz-IV-Empfänger…könnte so mancher „Diskutant“ behaupten.

Aber gibt es denn wirklich ein Grundrecht auf Billigstfleisch? Sollte der Staat nicht ohnehin Sorge dafür tragen, dass bedürftige Menschen auch bei höheren Fleischpreisen zurecht kommen? Durch eine Erhöhung der Sozialhilfe/Hartz IV Sätze analog der dann gestiegenen Lebenshaltungskosten?

Was macht denn eigentlich der vegane Hartz-IV-Empfänger? Bekommt der derzeit einen extra Zuschuss auf die teure vegane Ernährung? Wohl eher nicht. Hier würde die Argumentation genau anders herum laufen: der Hartz-IV-Veganer soll sich mal nicht so anstellen und seinen „Ernährungsluxus“ einstellen und lernen, mit Geld umzugehen und zum Billigfleisch greifen.

So dient diese Pseudo-Argumentation letztlich nur einer Sache: der Otto-Normal-Grillanschmeisser möchte auch morgen noch mit einem Riesenberg Billigfleisch aus dem Aldi rollen dürfen. Jeder vermeintliche Angriff auf das Grundrecht, so viel Fleisch kaufen zu können, wie der Discounter hergibt, wird mit fadenscheinigen Argumenten torpediert.

Ethik bei diesen Menschen einzufordern ist zwecklos und so ist am Ende auch eine gemeinschaftliche Aktion von Politik, Tierschützern und vernünftigen Landwirtschaftsverbänden nötig, um den notwendigen Schritt hin zu einem würdevollen Umgang mit Tieren zu gehen.

In einer Welt, die derzeit fast nur ein Thema für wichtig hält ist dies aber außerordentlich schwierig. Hoffen wir auf bessere Zeiten…

Die Meldung auf tagesschau.de war jedenfalls nicht lange auf der Hauptseite zu finden 😉

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