Ein Schweineleben und die Glühbirne

Das Schwein und die gemeine Glühbirne...

nach einigen Wochen der Schließung geht heute wieder Europas größter Schlachthof in „Betrieb“. Unkritisch wird in den meisten Medien über die Schlachtzahlen berichtet, die einem bei näherer Betrachtung den Atem stocken lassen.
Nach Angaben von WDR 5 wurden in der Vergangenheit 25.000 Schweine am Tag durch Tönnies geschlachtet. Aufgrund des Rückstau in der industriellen Schweinehaltung wird das „ans Netz gehen“ nun auch aus vorgeblichen Tierschutzgründen „nötig“. Groteske Realität in Deutschland im Jahr 2020.

All dies wird von der Öffentlichkeit und gerade der Politik vergleichsweise mit einem Schulterzucken hingenommen. Wichtig waren nur die Zustände der Arbeiter und das Nichtverbreiten des Corona-Virus. Das Leben eines einzelnen Schweines ist in Deutschland nichts wert. Und dennoch betrachten wir Deutschen uns immer als Vorreiter im Tier-, Umwelt- und Klimaschutz.

Tatsächlich ist es ja nicht so, dass wir nicht in der Lage wären, alte Verhaltensweisen zu überdenken und abzustellen. Der Atom- und Kohleausstieg ist beschlossene Sache, erneuerbare Energien werden gefördert. Und das Beispiel des Endes der Glühbirne vor einigen Jahren zeigt, dass wir „liebgewonnene“ Dinge und Traditionen in Europa abstellen können, wenn es nur einen vernünftigen Grund und Konsenz gibt.
Der Aufschrei beim indirekten Verbot der traditionellen Glühbirne war groß, doch überlebt haben wir es alle. (Siehe weiterführender Link am Ende des Artikels)

Warum tun wir uns dann aber so schwer, das Leben eines Tieres anhand ähnlicher Kriterien einzuordnen? Es ist längst bekannt, dass durch die Produktion von Fleisch der Klimawandel und der Hunger auf der Welt gefördert wird. Ähnlich wie das Energiemonster Glühbirne, wird bei der Produktion von Schweinefleisch die Umwelt zerstört, Ressourcen verschwendet und kommende Generationen werden belastet. Das Leid der Tiere selber ist hier nicht einmal eingerechnet.

Doch während wir es schaffen, bei einem Gebrauchsgegenstand eine neutrale Kosten- und Nutzenrechnung durchzuführen, ist die Frage, welches Schäden durch die Produktion eines Kilos Schweinefleisch entsteht, ein gesellschaftliches Tabu. Die schwerwiegenden ethischen Fragen, die die Behandlung unser Mitgeschöpfe als Ware mit sich bringt, findet nicht einmal Einfluss in unser tägliches Leben. Der Wert eines Lebens ist nicht in Euro messbar und wird somit auch nicht im „Produkt“ eingepreist. Bunte Bildchens und unsinnige „Siegel“ geben den Verbrauchern ein gutes Gewissen beim Kauf der Ware Fleisch…

Es ist jedoch langsam an der Zeit, dass wir jedes Tier mit Würde behandeln. Es wird Zeit, eine Tierleid-Abgabe für tierische Lebensmittel einzuführen.
Analog zur Einführung der Umlage für erneuerbare Energien zur Förderung der Energiewende muss der Erlös der Abgabe einerseits zweckgebunden in eine Verbesserung der Haltungsbedingungen investiert werden und andererseits müssen gewaltfreie, nicht-tierische Alternativen mit dieser Umlage ausdrücklich zu 50% mitgefördert werden. Damit deren Preis sinkt und sie letztlich effektiv mit den tierischen und auch direkt subventionierten Fleischpreisen konkurrieren können.
Nichts anderes haben wir im Rahmen der Energiewende für Stromkosten getan. Eine Ernährungswende ist längst überfällig.

Damit am Ende die Auswirkungen einer Glühbirne nicht mehr Wert für die Gesellschaft hatte als das Leben und der gewaltsame Tod eines Schweins.



Mehr Infos zum Ende der Glühbirne:
https://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/das-ende-der-birne-als-die-gluehlampe-aus-den-regalen-flog-15176614.html

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