Der kleine Tom und die wilden Schweine von Eisenhüttenstadt

Wildschweine haben auch Rechte...
  • von Jörg Kipka –

Durch einen geteilten Medienbericht erfuhr ich gestern vom 9-jährigen Tom aus Eisenhüttenstadt und seinem Kampf für die dortigen Wildschweine.
Bisher dachte ich, dass viele Kinder heutzutage in unserer reizüberfluteten Welt nicht mehr sehr viel für Tiere übrig haben. Tom hat mich eines Besseren belehrt. Nicht nur mag er offensichtlich Tiere, er setzt sich auch noch für Schweine ein. Und ist ein Junge. Das ist mit Verlaub – verdammt selten.

Neben diesen bemerkenswerten Details hat Tom auch noch etwas anderes geschafft. Er hat der Berichterstattung rund um die Afrikanische Schweinepest eine Wendung verpasst, die bisher nicht denkbar war: eine Diskussion über Ethik und Moral.

Warum sollen die Tiere in Eisenhüttenstadt sterben? Warum „müssen“ sie gar sterben? Diese Frage wurde bisher nicht wirklich gestellt und diskutiert. Das Verhalten der Behörden wurde bisher unkritisch begleitet und allenfalls wurde über die Auswirkungen für die Landwirte und deren Exporte geredet.

Ohne es zu wissen, stellt der kleine Tom einen ersten „Präzedenzfall“ vor. Während die wilden Schweine überall gnadenlos bejagt werden, sollen es zum ersten Mal Tiere in einem Tierpark sein, die getötet werden „müssen“. Weil es offensichtlich keine Alternative dazu gäbe.

Warum? Weil das Aufstallen der Tiere nicht tierschutzgerecht sei. Und ein Absichern des Geheges zu aufwendig oder zu teuer.
Die Schweinepestverordnung sieht aber Tötungen primär nur bei „Beständen“ vor, die nachweislich erkrankt sind. Alle übrigen „Betriebe“ müssen sicherstellen, dass ein Eindringen und die Übertragung des Virus durch Wildschweine verhindert werden kann.

Der Tierpark muss hier seiner Pflicht zum Tierschutz nachkommen. Das Töten gesunder Tiere darf keinesfalls erfolgen, weil es die billigere Option ist. Es müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die das Töten der Tiere vermeidet. Der Tierschutz ist im Grundgesetz verankert. Es wird Zeit, dies auch für Schweine mit Leben zu füllen.

Tom ist für mich ein Hoffnungsschimmer. Kinder sind ohnehin oftmals durch ihre Intuition und ihren unverdorbenen Blick fähig, Dinge zu hinterfragen. Etwas, was uns Erwachsenen meist abhanden gekommen ist. Was Tom hier angestoßen hat verdient uneingeschränkten Applaus und Unterstützung.

Die Wildschweine in Eisenhüttenstadt könnten die ersten „zivilen“ Opfer des Ausbruchs der ASP in Deutschland sein. Viele Heimschweinhalter und Lebenshofbesitzer bangen derzeit um ihre Schützlinge. Wenn auch für diese das Töten schon aus „prophylaktischen“ Gesichtsgründen durch Behörden angeordnet wird…diesen Gedanken möchte ich nicht zu Ende denken.

Vielen Dank Tom. Du bist mein persönlicher Held für 2020. Lass Dich nicht entmutigen. Die Schweinefreunde sind an Deiner Seite. Die Wildschweine in Eisenhüttenstadt dürfen nicht sterben.

Eure Unterstützung für Tom könnt Ihr hier zeigen:

Email des Tiergeheges Einsenhüttenstadt: TiergehegeEH@web.de

Email der Stadt Eisenhüttenstadt: info@eisenhuettenstadt.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.