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Der NABU und die Schweinefreunde im Tierpark Warder

Von Elke Striowsky


Friesoythe/Warder. Nach langer, intensiver Vorbereitung war es nun so weit; die NABU-Ortsgruppe Friesoythe startete ihre Solidaritätsfahrt zum Haustierrassenpark im schleswig-holsteinischen Warder. Geboren wurde die Idee, um den finanziell arg in Bedrängnis geratenen Tierpark zu unterstützen. Aber auch viel Spaß und interessante Informationen waren Nebeneffekte dieser Hilfsaktion.

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Der Bus ist an diesem Wochenende so voll, dass sogar eine Familie mit dem privaten PKW fahren muss. NABU-Vorsitzender Wilhelm Wewer übernimmt diesen Part. Ganze vier Stunden dauert die Fahrt und strapaziert dabei die Nerven vor allem der Familien, die kleine, ungeduldige Kinder dabei haben. Aber diese Strapazen sind schnell vergessen, als die Naturschützer in Warder ankommen. Zwar ist es nicht, wie angekündigt, der Gründer des Tierparks selbst, Dr. Jürgen Güntherschulze, der die Truppe empfängt, aber Geschäftsführer Dieter Kettenburg vertritt ihn freundlich und würdig.

Und weil auch Schweinefreunde grundsätzlich Naturfreunde sind, haben sich die „Nordlichter“ unter ihnen am Eingang mit der NABU-Gruppe verabredet. Für einige ist das nach langer Internetbekanntschaft das erste persönliche Treffen, das neben der Information über den Tierpark natürlich auch zu einem ausgiebigen, herzlichen „Klönschnack“, wie man im Norden Deutschlands sagt, genutzt wird.
Kettenburg nimmt kein Blatt vor den Mund und klärt gleich ohne Umschweife auf über die Probleme, die dem Tierpark zu schaffen machen. „Letztlich hat uns die Seuche MKS fast den Rest gegeben.“ Die Besucherzahlen sanken um die Hälfte gegenüber Vorjahren. Knapp 30 000 Menschen waren es im vergangenen Jahr, die sich diesen vor 13 Jahren gegründeten, ersten europäischen Tierpark für Haus- und Nutztiere anschauten und sich von der Atmosphäre in ihm verzaubern ließen. Viel zu wenig, um dessen Überleben zu sichern. „Es ist den vielen, vielen Einzelaktionen und Spenden zu verdanken, dass wir den Winter so gut überstanden haben“, fährt er fort. Und dabei spricht der ehemalige Bankkaufmann mit so viel Herzblut, dass er die anwesende Gruppe geradezu infiziert mit dem Virus, der da heißt „Liebe zu unseren alten Nutztierrassen“.
Er selbst hat seinen Beruf aufgegeben, um im Tierpark „einer im wahrsten Sinne des Wortes sinnvollen Beschäftigung nachzugehen.“ Dass ihn das glücklich macht, merkt man ihm an.

Was nun ist das Besondere an diesem Tierpark? Kann man denn Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde nicht auch beim Bauern nebenan sehen?
Nein, das kann man nicht! Erstens kommt man in die meisten, hochtechnisierten Ställe heute gar nicht mehr hinein, und außerdem gehören die in Warder lebenden rund 1000 Tiere 156 Rassen an, die akut vom Aussterben bedroht oder gefährdet sind. Sie haben auf dem rund 40 Hektar großen Gelände eine Heimat gefunden.
Selbst Kinder, die auf dem Land leben, sind den natürlichen Abläufen und den Lebensweisen von Tieren so entfremdet, dass sie häufig beispielsweise noch nie ein lebendes Schwein gesehen haben. Deshalb hat sich der Tierpark auf die Fahnen geschrieben, über das Anfassen und Begreifen zum Verständnis und zum Schutz der Mitgeschöpfe zu kommen. Tiere zu füttern und zu streicheln ist dort ausdrücklich erwünscht. Und davon machen die NABU-Mitglieder an diesem Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein ausgiebig Gebrauch. Lieblinge der Kinder sind natürlich die Ferkel der Rotbunten Husumer Schweine, das Kälbchen der Zwergzebus und der prächtige Exmoorponyhengst.
Alle Tiere machen aufgrund ihrer artgerechten Haltung einen zufriedenen, zutraulichen Eindruck. Sie suchen geradezu die Nähe des Menschen.

Romantisch wirkt das alles, aber die Arbeit der Aktiven um Güntherschulze hat einen sehr ernsten Hintergrund: „Wir wollen die Genreserven für die Nachwelt erhalten, weil unseren Nutztieren durch Überzüchtung die Vitalität verloren gegangen ist. Es kann doch nicht sein, dass wir uns irgendwann das Kotelett aus der Tube drücken“, warnt Kettenburg mehrmals vor den Auswüchsen der Massentierhaltung. In anderen Ländern, sogar in den so genannten Entwicklungsländern, sei man mit dem Schutz der alten Nutztierrassen viel weiter als in Deutschland. „Dort ist das Staatsziel und in der Verfassung verankert.“ Ganze neun Rassen würden in Schleswig-Holstein gefördert, in Niedersachsen seien es immerhin 11, weiter sei lediglich das Bundesland Bayern.

Spontan sammeln die NABU-Mitglieder und übernehmen die Patenschaft für zwei seltene Schweinerassen; ein Angler Sattelschwein und ein Buntes Bentheimer Schwein bekommen nun ihren „Unterhalt“ aus Friesoythe.
Gemeinsamkeiten verbinden - dass der Tierpark Warder ein gelebtes Beispiel für Natur- und Tierliebe ist, darin sind sich Natur- und Schweinefreunde nach einem ereignis- und lehrreichen Tag einig.

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