​​​​​ Ein Besuch im Schweine-Paradies von Violette Sanders

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„Das Schwein als Gesellschaftstier“

So lautet der Titel eines Buches von Violette Sanders. Sie wird als die europäische „Schweinepäpstin“ bezeichnet. Schweine verschiedener Rassen gehören zu ihrer Familie. Der Titel ihres Buches ist gleichzeitig ihr Lebensmotto. Schweinefreunde aus Deutschland besuchten sie zum Erfahrungsaustausch.

Von Elke Striowsky

Richtiges „Sauwetter“ begleitet die kleine Gruppe. Nieselregen, Wolken verhangener Himmel, Matschwetter - der goldene Herbst hat sich während der ganzen Fahrt durch Norddeutschland versteckt, und auch jenseits der holländischen Grenze hellt kein Sonnenstrahl das trostlose Bild auf. Doch das trübt keineswegs die prächtige Laune einer Handvoll „Schweinefreunde“, die mit ihrem „Rottenführer“ Jörg Kipka unterwegs sind ins kleine Nieuw Scheemda, um das „Swieneparredies“ von Violette Sanders zu besuchen. Mit dieser Tour geht ein lang gehegter Wunsch Kipkas und seiner Mitstreiter in Erfüllung.
Jörg Kipka, im richtigen Leben Beamter einer nordrhein-westfälischen Behörde, hat, ebenso wie Violette Sanders, sein Leben dem Tierschutz verschrieben. Vor zwei Jahren ging er mit seiner Website Schweinefreunde.de ins Netz und bietet dort eine Vielzahl an Informationen für alle, die im Schwein nicht nur den Sonntagsbraten sehen. Im Forum tummeln sich Besitzer der exotischen Minirassen ebenso wie Liebhaber der großen und alten Haustierrassen. Freundschaftlich ist der Umgangston, jedoch gehen die Schweinefreunde auch Konflikten nicht aus dem Wege, wenn es der Sache dient. So gab es lange Diskussionen, ob auf einer Seite für Schweinefreunde Biohöfe vorgestellt werden dürften. Kipka entschied sich für den Weg des Dialoges und nicht der Konfrontation. Der überzeugte Vegetarier mußte dafür über seinen eigenen Schatten springen, aber die Resonanz gibt ihm recht. „Wir können nicht die ganze Welt von heute auf morgen zu Vegetariern machen, aber wir können Denkanstöße geben, damit die Menschen sich ihr Fleisch aus artgerechter Haltung besorgen.“
Viele Stunden täglich ist der 32jährige im Netz, um sich um die Mitglieder zu kümmern. Für Hobbys bleibt da neben der Berufstätigkeit kaum Zeit. Deshalb mußte er bislang seinen Herzenswunsch - eigene Schweine - zurückstellen.

Umso erfreuter zeigt er sich natürlich im „Swieneparredies“, dass Violette Sanders unter anderem, seine Lieblingsrasse, die Kune-Kune aus Neuseeland hält. Die Begrüßung zwischen Menschen und Tieren ist herzlich. Für die Schweine gibt es einen riesengroßen Teller mit Obst und Zucchini, für die Gastgeberin eine Jacke der Schweinefreunde mit entsprechendem Großaufdruck. Nun ist es amtlich: Violette gehört dazu.
Keine Sekunde Leerlauf gibt es in dem mehrstündigem Besuch; wer Schweine liebt, hat immer etwas zu besprechen. Und Probleme haben die Ringelschwänze genug, sowohl in Holland als auch in Deutschland.

Schweinefreunde bei Violette Sanders
Bild: Elke Striowsky


Wurden von Violette Sanders ( Mitte ) herzlich im „Swieneparredies“ in Nieuw Scheemda empfangen: Schweinefreunde aus Deutschland Petra Siebeck (links) und Jörg Kipka (rechts)

 

Im Zentrum der ernsthaften Gespräche steht natürlich die Massentierhaltung, die für kein anderes Nutztier schlimmer sei, bekräftigen die Tierfreunde. Intelligent, bewegungsfreudig und in der Natur rund neun Stunden täglich mit der Nahrungssuche beschäftigt, verkümmern diese sozialen Tiere in „modernen“ Haltungssystemen. Doch wen kümmert`s. „Diese Massentierhaltung ist grausam“, sagt Violette Sanders.
Über Käfighaltung von Hennen wird - zum Glück - heute nachgedacht und - zum Glück - wird sich zukünftig etwas ändern. Kein Tierfreund wird Leid gegeneinander aufrechnen wollen. Tatsache ist jedoch, dass das bewußte Erleben von Leid mit der höheren Intelligenz zunimmt. Und dass Schweine intelligent sind, wird heutzutage niemand mehr leugnen wollen. Konsequenzen aus diesem Wissen ziehen jedoch die Wenigsten.
Zu diesen Wenigen zählen Violette Sanders und Jörg Kipka. „Wir müssen alle ein bißchen Schwein werden, anstatt die Schweine anzupassen“, betont die zierliche 50jährige. Und sie tut eine Menge, um anderen Menschen zu zeigen „wie Schweine wirklich sind“. In ihrem kleinen Museum, dem ein Archiv angegliedert ist - eine Fundgrube für jeden, der sich für diese Tiere und alles, was mit ihnen zusammenhängt, interessiert - , empfängt sie ganze Schulklassen, um aufzuklären. Hier kann man Kinderbücher und CDs bekommen. „Bücher bauen Brücken zwischen den Konsumenten, den Bürgern und den Bauern“, erklärt sie. Vor allem Kinder können ein reichhaltiges Angebot finden, „denn sie sollen für eine bessere Zukunft sorgen“. Der Maler und Kinderbuchautor Theo Zwinderman stellt zurzeit im Schweinemuseum die ersten vier Seiten seines neuen Buches über allgemein für häßlich gehaltene Tiere aus. „Jupp kriegt eine Brille“, erzählt die Geschichte eines Hängebauchschweines, das wie im richtigen Leben wegen seiner neuen Brille von den anderen Tieren gehänselt wird. Dass es wichtig ist, hinter die Fassade zu schauen, ist eine nicht nur für Kinder lehrreiche Botschaft.

Schweine Iluustration

Bild: Elke Striowsky

Der Maler und Kinderbuchautor Theo Zwinderman stellt in Postergröße im Schweinemuseum die ersten vier Seiten seines neuen Buches „Jan kriegt eine Brille“ aus.

Seminare für Landwirte, Tierärzte und Tierschützer runden das umfangreiche Programm im „Swieneparredies“ ab, das immer ein Ziel verfolgt; die Lebensbedingungen für Schweine zu verbessern. „Man muß zusammenarbeiten“, betont Sanders. Mit der Organisation „Ferkel in Not“ und anderen Tierschutzverbänden klappt das prima. Nun kommen noch die Schweinefreunde aus dem Internet dazu. Gegenseitige Unterstützung ist unerläßlich, will nicht jeder im eigenen Saft schmoren. „Gebündelte „Manpower“, um es mit Petra Siebeck, „Notfalltante“ aus Hessen, zu sagen, ist bei den großen Entfernungen gar nicht so einfach. Oft „entpuppt sich die Stärke des Internetkontaktes gleichzeitig als eine Schwäche“, so Jörg Kipka. Die Entfernungen sind teils einfach zu groß, um konzentriert arbeiten zu können. Häufige Arbeitstreffen sollen dieses Manko wettmachen.

Ganz praktische Arbeit leistet Violette Sanders, wenn es um Notfälle geht. Vor kurzem waren es 73 Hängebauchschweine, die ein neues Zuhause suchten und alle in gute Hände kamen. Oft geschehen solche Aktionen wegen bürokratischer Hindernisse am Rande der Legalität, aber irgendwie findet die engagierte Tierschützerin immer wieder ein Schlupfloch im Paragraphendschungel. Hilfe hat Sanders dabei höchst wenig. Nur Jan Straat steht ihr im Rahmen einer ABM-Maßnahme hilfreich zur Seite. Finanziell hätte es um ein Haar im vergangenen Jahr das Aus für Violette Sanders gegeben. Dank einer Stiftung hält sie sich und ihre Schweine über Wasser. Der Erlös aus ihrem Buch „ Het Varken - als gezelschapsdier“ fließt wieder in die Erforschung des Schweineverhaltens. Es ist bisher nur auf Holländisch erschienen. Nachfragen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen eindeutig, dass es an der Zeit ist, dass sich ein deutschsprachiger Verlag darauf stürzt. Ein weiteres Buch über Schweineverhalten und Krankheiten ist in Arbeit.
Auch bei den Schweinefreunden im Internet warten zahlreiche Notfälle auf eine Vermittlung. Petra Siebeck ist dort die Ansprechpartnerin.

Wenn man sieht, wie liebevoll Violette Sanders mit ihrer 330 Kilo schweren Niederländischen - Groß - Yorkshire -Sau „Tony“ und ihren anderen Schützlingen umgeht, versteht der staunende Beobachter, warum sie das alles tut. Schweine seien zwar nicht immer lieb, sondern sehr direkte Tiere, wie Violette sagt, aber liebenswert seien sie immer.

Schweinefreundin mit Sau Tony
Bild: Elke Striowsky

„Tony“ begrüßt freundlich Schweinefreundin Katharina Grimm aus Deutschland. Die stattliche Sau wiegt 330 Kilo, die sie aber im Umgang mit Menschen sehr vorsichtig einsetzt.


„Tony“ trägt übrigens einen Männernamen, weil sie ursprünglich in einem Film mitmachen sollte. Dort war ein Eber gefragt. Als sie die Rolle dann doch nicht bekam, blieb zumindest der Name übrig. „Tony“ macht sich gelegentlich sogar in Violettes Küche breit und benimmt sich dort ausgesprochen gesittet.
Neun Jahre schon lebt die gelernte Altenpflegerin mit Schweinen zusammen. Ihren Beruf übt sie heute nicht mehr aus. „Keine Zeit für Schweine zu haben, macht die Tiere nervös“, begründet sie diesen Schritt. Offensichtlich überhaupt nicht nervös und auch zu Fremden sehr zutraulich sind neben „Tony“, die Kune-Kunes „Cookie“, „Kiwi“ und deren Nachzucht „Hinemoa“, die sechsjährige „Fajga“, ein waschechtes Turopoljeschwein, „Wamba“, ein Kind aus der Liebe eines europäischen Wild- und eines asiatischen Hängebauchschweines, die freche, blonde „Imca“, ein Rotes Mangalitza ( Wollschwein ), „Perle“, eine Göttinger Minisau und „Kadootje“, was soviel heißt wie „Geschenkchen“. Sie gehört derselben Rasse an wie „Tony“ und ist somit eher ein schwergewichtiges Geschenk.

Schweinefreunde mit Sau Imca
Bild:Elke Striowsky


„Imca“ ein Rotes Mangalitza Wollschwein, hatte es mit seinem frechen Temperament besonders den Kindern angetan.

 

Schweinefreund mit Kune Kune  Kune Kune Schwein
Bilder: Elke Striowsky

Kaum lösen konnte sich Jörg Kipka von seinen Lieblingen, den Kune-Kunes. Hier streichelt er „Hinemoa“, eine Tochter von „Cookie“ und „Kiwi“


Dass „Schwein Schwein ist“, wie Sanders immer wieder betont, sieht man an Mischling „Wamba“ - offensichtlich hatten seine Eltern keine Sprachbarrieren zu überwinden, obwohl sie aus unterschiedlichen Kontinenten stammen. Schweineverhalten kennt wie das von Hunden kaum nennenswerte Grenzen. Selbst „Tjoy“, ein chinesisches Meishan, macht da keine Ausnahme. Seine vielen Falten stören nicht beim Grunzen, und diese Sprache ist international.

Kaum lösen können sich Jörg Kipka, Petra Siebeck, und Katharina Grimm von den entzückenden Schweinen. Besonders „Cookie", eher einem behaarten Fabelwesen gleichend als einem Eber, versprüht seinen männlichen Charme und läßt sich zufrieden grunzend die Schmuseeinheiten gefallen.

Kune Kune Eber
Bild: Elke Striowsky
„Cookie“ ein Kune-Kune aus Neuseeland betörte mit seinem männlichen Charme nicht nur die Damen.


„Was will das Schwein", das ist die wichtigste Frage erklärt Violette Sanders. Und die zeigen ziemlich deutlich durch ihr Verhalten, was sie wollen und was sie nicht wollen.
„Laßt die Leute sehen, was für ein Tier ein Schwein ist", gibt sie den Tierschützern mit auf den Weg nach Deutschland. Und das wollen die Frauen und Männer um Jörg Kipka jetzt noch engagierter tun, als ohnehin schon.


Unterstützung für das „Swieneparredies" wird gerne angenommen:

Stichting Swieneparredies
Pastorieweg 8
9943 TG Nieuw Scheemda
tel. 0598-446262
fax. 0598-446251
rek. nr. 161451500 Rabobank Scheemda
website: www.swieneparredies.nl
email: info@swieneparredies.nl

Videobericht über das Schweineparadies im Realmedia-Format (ca. 9 MB)

 

 

 

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