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24.05.2004 16.45 | Jörg | Eiserne Jungfrau: notwendig oder Tierquälerei?
Es hat ein wenig gedauert, bis wir uns mit dem Foto der Woche wieder einem etwas kritischeren Thema gewidmet haben. Um nicht nur Zustände im Ausland anzuprangern, stellen wir uns nun einem Problem in der heimischen Schweineproduktion: die Abferkelbox bzw. "eiserne Jungfrau".

Dies ist nicht gerade das einfachste aller möglichen Themen, denn es gibt natürlich mehrere Sichtweisen: die Box dient zum Schutz der Ferkel vor Erdrücken durch die Muttersau. Auf der anderen Seite wird das Muttertier für eine sehr lange Zeit quasi zur Bewegungslosigkeit verdammt und kann zudem ihre arteigenen Triebe wie Nestbau usw. in keinster Weise ausleben. Die Qualen für die Sau müssen daher immens sein, auch wenn man sie hier vielleicht nicht in körperlichen Schmerzen/Wunden messen kann, so sind sie dennoch vorhanden.

Eure Meinung zu dem Thema?

24.05.2004 18.47 | easy |
Hi!


Ich finde diese "Eisenren Jungfrau" auch ganz schrecklich :heul:
Wie lang muß eine Sau da drin bleiben?
Ich meine mal gelesen zu haben (landwirtschaftl.Zeitung), daß die Sauen ein paar Tage vor dem Abferkeln dort rein kommen und dort ihre Ferkel bekommen. Da die Ferkel aber ja schon mit 3 Wochen wieder abgesetzt werden, wechseln die Sauen ja auch den Stall.
Schweine bekommen in der Landwirtschaft 2 Würfe pro Jahr, oder?
Also stehen sie 6 Wochen im Jahr dort drin?!? Die Armen... :(
Mal schauen, vielleicht sagt Brigitta ja etwas dazu..
Sie kennt die landwirtschaftlichen Hintergründe ja doch besser als die meisten hier ;)

Isabelle

24.05.2004 22.03 | Sabine |
Moin

Ich halte diese "Gestelle" für Tierquälerei.

Es gibt doch inzwischen Untersuchungen die besagen, das genauso viel oder wenig Ferkel erdrückt werden wie bei der normalen Haltung. Also sind sie eigentlich unsinnig.

Warum immer noch an diesen Dingern festgehalten wird, ist mir nicht klar. Vielleicht, weil sie einfach noch da und für den Halter der Sau bequem sind?

Sabine

25.05.2004 00.13 | Claus |
Hallo

Wie Jörg eingangs schon erwähnte: kein einfaches Thema.

Grundsätzlich sei erwähnt, dass die Abferkelbox nicht nur den Beinamen "Eiserne Jungfrau" trägt, was im Übrigen für eine Auftstallung hochtragender, ferkelnder und säugender Sauen auch selten dämlich ist.
Sie heißt auch "Ferkelschutzkorb", und das nicht ohne Grund.

@ Easy

Eine Sau ferkelt in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung 2,1 bis 2,4 mal pro Jahr. Normalerweise wird sie 5-7 Tage vor dem errechneten Geburtstermin in der Abferkelbox aufgestallt. Grund: Schutz vor externen Stressfaktoren, z.B. aggressive Sauen, um einer Frühgeburt vorzubeugen.
In Abhängigkeit von der Dauer der Säugezeit (21-28 Tage) ergeben sich daraus 62-70 Tage Aufenthalt in der Box pro Jahr, aufgeteilt auf 2,1 bis 2,4 Würfe. Pro Wurf maximal 35 Tage am Stück.

@ Sabine

Natürlich gibt es diese Untersuchungen. Aber an dieser Stelle mal ein kleines Gedankenspiel.
Die Anteil der Saugferkelverluste beträgt im Bundesdurchschnitt etwa 16%. Wenn Abferkelboxen ohne Fixierung das auch erreichen, spielt es auf den ersten Blick keine Rolle, ob die Sau nun fixiert ist oder nicht.
Die besten Betriebe haben allerdings nur Verluste von 8-9%. Und die arbeiten alle mit Fixierung.

Ebenso wichtig wie das Ergebnis einer Untersuchung ist die Frage, wer sie in Auftrag gegeben hat. Das hilft meistens schon, das Ergebnis zu relativieren.


Nach dem längst überfälligen Inkrafttreten der EU-Verordnungen müssen bald alle Sauen mit Ausnahme der Säugezeit in Gruppen oder zumindest mit Freilauf gehalten werden. Das allein ist ein gewaltiger Fortschritt für den Tierschutz, der aber auch viele Betriebe in die Aufgabe zwingt.
Ich möchte das an dieser Stelle nicht weiter werten, aber bitte würdigt doch auch mal die Erfolge.

Gruß, claus

P.S.
Ich muß ständig an einen Wellensittich denken, der 365 Tage im Jahr sein Dasein in Einzelhaft fristet, völlig unbeachtet von der Gesellschaft. Keine Ahnung, warum...

25.05.2004 05.01 | Jörg |
Hallo Claus,

Original von Claus
Grundsätzlich sei erwähnt, dass die Abferkelbox nicht nur den Beinamen "Eiserne Jungfrau" trägt, was im Übrigen für eine Auftstallung hochtragender, ferkelnder und säugender Sauen auch selten dämlich ist.

Ja, irgendwie schon :D ;)

Ebenso wichtig wie das Ergebnis einer Untersuchung ist die Frage, wer sie in Auftrag gegeben hat. Das hilft meistens schon, das Ergebnis zu relativieren.

Tja, das ist wohl die Krux und der Grund, warum man so häufig nicht viel weiter kommt: zu jeder wie auch immer gearteten Untersuchung zaubert die Gegenseite eine andere hervor. Als Laie und vielleicht auch als Fachmann verliert man da wohl bisweilen den Durchblick.

Aber lassen wir uns die Sache mal anders betrachten: das Ferkelerdrückungsszenario wirft ja neben den wirtschaftlichen Gründen auch andere Fragen auf. Und zwar: warum haben wir die Schweine mittlerweile so verzüchtet, dass sie ihre eigenen Verhaltensweisen nicht mehr vernünftig ausführen können. Denn es dürfte ja unstreitig sein, dass "in der freien Wildbahn" eine Erdrückung wohl eher selten(er) (?) anzutreffen ist. Durch das hohe Gewicht der Sauen und die damit einhergehende geringere körperliche Kontrolle kommt es doch erst zu diesen Problemen, oder sehe ich das jetzt grundsätzlich falsch. Das bringt uns doch eigentlich zu dem Punkt, dass letztlich der Mensch an der Misere Schuld ist und das Tier/die Tiere es ausbaden müssen. Mal abgesehen davon, dass die Mutterschaft durch die Sauen überhaupt nicht richtig ausgelebt werden kann.

Nach dem längst überfälligen Inkrafttreten der EU-Verordnungen müssen bald alle Sauen mit Ausnahme der Säugezeit in Gruppen oder zumindest mit Freilauf gehalten werden. Das allein ist ein gewaltiger Fortschritt für den Tierschutz, der aber auch viele Betriebe in die Aufgabe zwingt.
Ich möchte das an dieser Stelle nicht weiter werten, aber bitte würdigt doch auch mal die Erfolge.

Dies ist in der Tat ein grosser Fortschritt. Aber imho darf es da letztlich noch nicht enden. Ohne das ewig bohrende Hinterfragen durch Tierschützer wäre es aber eher nicht zu einer solchen Entwicklung gekommen. Auch heute noch scheren sich viele Verbraucher nicht um diese Umstände, daher denke ich schon, dass Tierschützer sowas wie ein soziales Gewissen in dieser Gleichung spielen. Es wäre in der Tat wünschenswerter, wenn die "dumpfe Masse" der Verbraucher das eigene Verhalten reflektiert. Daran muss weiterhin gearbeitet werden. Und ja: diese Erfolge und Verbesserungen müssen gewürdigt werden!

Ich muß ständig an einen Wellensittich denken, der 365 Tage im Jahr sein Dasein in Einzelhaft fristet, völlig unbeachtet von der Gesellschaft. Keine Ahnung, warum...

Na, wenn Du Dich auf Wellensittich-Tierschutz-Seiten herumtreibst, wirst Du sicherlich sehen, dass die richtigen Tierhalter diese Sache genauso verurteilen. Wie wir hier ja auch die Auswüchse der Minischweinhaltung dauerhaft kritisieren. Was uns ja nicht nur Freunde gemacht hat ;)

So, ich muss jetzt ins Bad :D
Jörg

25.05.2004 11.00 | SHierling |
Hallo,
also zu den Untersuchungen über Ferkelverluste: ich denke,wenn man sich ausreichend informiert und auskennt, kann man die auch beurteilen. Eine Quelle z.B macht das Erdrücken von Ferkeln von der Umgebungstemperatur abhängig -je kälter, desto eher suchen die Ferkel Wärme bei der Sau, desto größer die Gefahr des Erdrückens. () Und die Untersuchungen,die jetzt als Grundlage für die Neue SchweineVO herhalten müssen, zeigen auch ganz klar eine Korrelation zwischen Ausbildung des Betreuers und Ferkelverlusten, ein "fachgerechtes Eingreifen können" ist demnächst deswegen auch vorgeschrieben -auch so ein Fortschritt, den ich gut finde.
@Jörg: das Gewicht hat überhaupt nichts damit zu tun, das sieht Du tatsächlich völlig falsch. Zucht auf hohe Fruchtbarkeit schon eher, die macht nämlich auch Streßanfällig.
Wildschweine bekommen a) viel weniger Ferkel, d.h. es ist mehr Platz je Tier, und dann bietet das Nest einer Wildsau, 2m im Durchmesser, aus Ästen(!) und Gezweig gebaut, einen völlig natürlichen "Ferkelkorb" (in dem die Sau btw auch nicht mehr Platz hat). Umgekehrt wird also ein Schuh draus: die "einfach so" herumlaufende Sau ohne Ferkelschutzraum ist nicht der Natur entsprechend. Ein guter Mittelweg ist der, den man früher auch genutzt hat: die Sau läuft lose in einer Box, und die Ferkel bekommen eine abgetrennte Ecke mit Lampe und "Durchschlupf".
Ist nur leider nicht mehr wirtschaftlich, solche Ställe zu betreuen.
Das ist dann auch das, was mich an solchen "Publikationen" immer wieder ärgert. Das "Qui Bono?". Ich kann ja einsehen, daß man, fachfremd, solche Bilder vermutlich genau so pervers findet wie mir so ein Begriff wie "Paarhaltung" vorkommt oder gar "Wohnungshaltung"** - und letztlich landen solche Diskussionen dann ja auch wieder beim "Verbraucher" -ja, warum wird dann nicht auch der Verbraucher angegriffen, anstatt der "Großbetrieb" - der im übrigen ja nur gefördert wird, wenn die Leute weniger Fleisch kaufen?
Warum nicht mal das "tatsächliche" Schreckensbild von der Übergewichtigen Mama mit den Aldi-Tüten? Oder dem ach so praktischen Fleischerstand im Supermarkt?

Grüße
Brigitta

**PS: OT: ich hab neulich mal den Leitfaden für Minischweine durchgelesen - imho ist der durchgehend für ein einzelnes Schwein geschrieben - ist das nun das "einfühlsame Ansprechen der falschen Halutng" ? Genaus so "indoktrinierend" empfinde ich das ständige empfehlen von "Paarhaltung" -obwohl man doch sieht,daß die meisten "Neuen" eben ein "Paar"/PäÄrchen" aus Sau und Eber darunter verstehen.

25.05.2004 16.20 | Jörg |
Hallöle Brigitta,

Original von SHierling
.. ein "fachgerechtes Eingreifen können" ist demnächst deswegen auch vorgeschrieben -auch so ein Fortschritt, den ich gut finde.

Jepp, sowas sollte man aber eigentlich sowieso als zwingend erforderlich ansehen. Aber auch hier muss die Skepsis dahingehend erlaubt sein, ob diese Regelung in der Praxis dann auch angewandt wird. Man sieht es ja bei vielen anderen Dingen im täglichen Leben. Das von Dir oft zitierte Beispiel des Führerscheins: gemacht ist er recht schnell. Aber zum Verlieren desselben gehört schon eine ganz Menge (imho)....wenn man so sieht, was sich auf Deutschlands Strassen so herumtreibt.

@Jörg: das Gewicht hat überhaupt nichts damit zu tun, das sieht Du tatsächlich völlig falsch. Zucht auf hohe Fruchtbarkeit schon eher, die macht nämlich auch Streßanfällig.

Nun, es war meine Erinnerung aus einer ähnlich gelagerten Debatte bzw. mein Empfinden, dass dies als Erklärung herhalten muss: das Tier ist zu schwer, daher zu unbeholfen und daher ist das Erdrücken häufiger. Alles im Vergleich zur Wildform.

Wildschweine bekommen a) viel weniger Ferkel, d.h. es ist mehr Platz je Tier, und dann bietet das Nest einer Wildsau, 2m im Durchmesser, aus Ästen(!) und Gezweig gebaut, einen völlig natürlichen "Ferkelkorb" (in dem die Sau btw auch nicht mehr Platz hat).

Aber Du willst mir doch jetzt nicht erzählen, dass die Bache das Nest ganze 35 Tage lang nicht verlässt, oder :rolleyes:?

Ein guter Mittelweg ist der, den man früher auch genutzt hat: die Sau läuft lose in einer Box, und die Ferkel bekommen eine abgetrennte Ecke mit Lampe und "Durchschlupf".

ACK!

Das ist dann auch das, was mich an solchen "Publikationen" immer wieder ärgert. Das "Qui Bono?".

Wäre ein Totschweigen denn nun angebrachter? Ich halte es für durchaus legitim, auf eine solche Weise auf die Belange der Normalschweine aufmerksam zu machen. Und: wir tun das ja nicht in einer reißerischen Art und Weise, sondern ermutigen die Leute generell zum Argumentieren und zum Auseinandersetzen mit der Thematik. Auf Dauer sollte das schon sensibilisieren. Und darum geht es ja: wenn es zu einem Umdenken im Verhalten führt, dann ist es unabdinglich, die Probleme der modernen Tierhaltung aufzuzeigen.

Ich kann ja einsehen, daß man, fachfremd, solche Bilder vermutlich genau so pervers findet wie mir so ein Begriff wie "Paarhaltung" vorkommt oder gar "Wohnungshaltung"**

Also das Leiden der Sau kann man imho hier gar nicht wegdiskutieren. Das hat auch mit fachfremd oder "vom Fach" nichts zu tun. Dazu brauch man doch nur ein gewisses Mindestmaß an Emotionen. Was einen ja nicht zu einem Tierschützer-mit-Bambiblick macht. Dabei spielt auch eine Rolle, dass es nicht darum geht die Landwirte als die bösen Buben dastehen zu lassen, sondern uns alle als Gesellschaft. Das Bild sollte uns alle anklagen und nicht den Landwirt, der nur Erfüllungsgehilfe für eine pervertierte Gesellschaft ist.

Was die Analogie zur Wohnungshaltung oder Paarhaltung betrifft: auch wenn ich solche Vergleiche wie die Pest meide...ich sehe einen krassen Unterschied zwischen dem Leiden von bundesweit sagen wir mal 1000 Minischweinen in Wohnungshaltung und dem von Millionen von Nutzschweinen. Ich erlaube mir beides zu kritisieren ohne auf einem Auge blind zu sein.

und letztlich landen solche Diskussionen dann ja auch wieder beim "Verbraucher" -ja, warum wird dann nicht auch der Verbraucher angegriffen, anstatt der "Großbetrieb" - der im übrigen ja nur gefördert wird, wenn die Leute weniger Fleisch kaufen?

Weil es doch nur so geht. Der Verbraucher sieht den Zusammenhang zwischen seinem Konsumverhalten nicht direkt. Strom kommt aus der Steckdose und Fleisch aus dem Supermarkt. Alles andere ist ohne Belang. Und von daher muss man auch Emotionen wecken, damit ein Nachdenken einsetzt. Vielleicht wäre/ist es von Dauer, vielleicht verdrängt man es später wieder. Und nochmals: das Bild dient nur als Aufhänger, um die Thematik ins Bewußtsein zu rücken.

Was den zweiten Punkt anbelangt: wenn man sein Fleisch nicht aus dem Aldi besorgt sondern wieder zum Metzger mit lokaler Ware geht, macht man die Großbetriebe sicherlich nicht stark. Aber derjenige, der sich von solchen Bildern berührt fühlt, sein Handeln verändert, der wird diese Zusammenhänge sicherlich sehen und neben dem weniger Fleisch ein mehr an Qualität wollen. Die es unstreitbar bei Aldi oder Lidl oder im Real nicht geben wird.

Warum nicht mal das "tatsächliche" Schreckensbild von der Übergewichtigen Mama mit den Aldi-Tüten? Oder dem ach so praktischen Fleischerstand im Supermarkt?

Coole Idee :D, aber ich denke, dass wird so nicht funktionieren. Ich wäre schon froh, wenn einige Besucher der Website sich anhand des aktuellen Schweinefotos mit der Thematik beschäftigen. Und die von Dir genannten Bilder würden die Klickrate sicherlich nicht erhöhen. Siehe meine Erklärung oben!

Also: es geht hier nicht darum eine Contra-Landwirt-Debatte zu führen. Es geht schlicht darum, eine Sensibilität für die Belange der Mastschweine zu erarbeiten. Denn auch unter Schweinefreunden ist die durchaus nicht so ausgebildet, wie man gemeinhin denken würde. Versammlungen und Minischweinhalter-Treffen im Garten wo die Minischweine mitrumlaufen und auf dem Grill wird gerade ein Artgenosse aus der Massentierhaltung verbrutzelt :stareup:

**PS: OT: ich hab neulich mal den Leitfaden für Minischweine durchgelesen - imho ist der durchgehend für ein einzelnes Schwein geschrieben - ist das nun das "einfühlsame Ansprechen der falschen Halutng" ?

Diese Sache würde ich lieber in diesem Thread diskutieren. Vielleicht kannst Du da mal konkret schreiben, was Du ändern würdest. Für Kritik diesbezüglich sind wir natürlich offen.

Greetz,
Jörg

28.05.2004 12.26 | Aramis |
Zur Vermeidung von Ferkelverlusten durch Erdrücken beim Niederlegen der Muttersau steht den Tieren ein vielfältiges Verhaltensinventar zur Verfügung. Beim Eintritt der Sauen in das Wurfnest wühlen sie und nehmen mit dem Rüssel Kontakt mit den Ferkeln auf. Bevor sich die Muttersau niederlegt, gruppieren sich die Ferkel mehrheitlich auf einer Seite der Muttersau, und die Muttersau legt sich auf die gegenüberliegende Seite ab. Befinden sich Ferkel im Gefahrenbereich der sich niederlegenden Sau, reagieren sie mit Ausweichen zur Seite. Eingeklemmte Ferkel schreien und versuchen sich strampelnd zu befreien, wodurch die Muttersau veranlasst wird, den entsprechenden Körperteil anzuheben oder zu robben.
Gruppieren sich die Ferkel nicht ausreichend, dreht sich die Muttersau herum und versucht die Ferkel auf diese Weise zu gruppieren. Gelingt dies nicht, verlassen die Sauen das Wurfnest häufig wieder.

Während das dem Erdrücken der Ferkel vorbeugende Verhalten der Hausschweinsauen mit dem der Wildschweinbachen übereinstimmt, wurden im Verhaltensablauf des ferkelbeachtenden Niederlegens der Muttersau domestikative Veränderungen beobachtet. Für das Ausführen des Schutzverhaltens der Sau gegen ein Erdrücken der Ferkel ist die Konstitution der Sau von entscheidender Bedeutung. Nur wenn die Sau fit genug ist, kann sie auf die Lautäußerungen der Ferkel reagieren und einen Abliegvorgänge abrechen.

Gruß Nitsch

28.05.2004 15.02 | Jörg |
Hallo Nitsch,

vielen Dank für Deine Erläuterungen. Wenn ich das jetzt richtig interpretiere hat das durch die Domestikation erhöhte Gewicht der Sauen also durchaus eine Bedeutung in dieser Gleichung. Denn wenn die Sau ihr Gewicht nicht ausreichend koordinieren kann, kann sie auch nicht rechtzeitig reagieren, wenn sie sich auf ein Ferkel legt.

Darf ich fragen, aus welchem "schweinischen" Background Du kommst? Vielleicht hast Du ja Lust auf eine Registrierung? Fachlich fundierten Input kann man immer gebrauchen :up: !

Viele Grüsse
Jörg

28.05.2004 15.17 | aramis |
Hallo Jörg!

Ja, diese Gleichung geht auf!!! Ich kann dich in deiner Meinung aus fachlicher Sicht nur unterstützen.

Ich stamme aus Österreich, habe Landwirtschaft studiert und zwar im Fachbereich Tierhaltung und Nutztierethologie.
Ich beschäftige mich schon seit ein paar Jahren mit der Thematik "Schweine Freilandhaltung - eine Qualitätsoffensive im Schweinefleischbereich". Der Begriff „Qualität“ im hier verstandenen Sinn beinhaltet in gleichrangiger Bedeutung
1.die Erzeugungsqualität, worunter die genetische Ausstattung der Tiere, die artgemäße Haltung, die bedarfsgerechte Fütterung, eine ordnungsgemäße Hygiene, der wesensgemäße Umgang mit den Tieren sowie ein tierschutzgerechter Transport verstanden werden;
2. die Prozeßqualität, der die Bereiche Schlachtung, Kühlung, Fleischreifung, Zerlegung, Verarbeitung und Verpackung zugehören;
3. den Prozeß der Inverkehrbringung, der Logistik (Organisationsabläufe, Kühlung, Transport) und Detailverkauf umfasst;
4. der stofflichen Qualität, die die am Produkt festgestellten Eigenschaften in organo-leptischer, physikalischer, chemischer sowie hygienischer Hinsicht wie Zartheit/Geschmack, Nährstoffgehalt, Schadstoff- und Keimgehalt beschreibt, sowie
5. die Transparenz und Kontrolle der Qualitätsanforderungen auf allen Stufen der Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung.

grüße
Nitsch

28.05.2004 15.32 | Jörg |
Hallo Nitsch,

toll, dass Du als Freilandhaltungsspezialist zu uns gefunden hast. Wir sind große Befürworter dieser Haltungsform und bedauern es, dass sie eine so geringe Verbreitung in Deutschland hat. Aber wenn man liest, wieviel Auflagen es für die Freilandhaltung gibt, dann verwundert das nicht wirklich. Hinzu kommt ja noch, dass die Verbraucher eine artgerechte Haltung bislang zwar gerne fordern, aber nichts zu ihrem Gelingen beitragen (weil dann doch wieder Billigware gekauft wird).

Ich denke, dass die Situation in Österreich ähnlich ist, oder?

Bei der Frage der Rentabilität und Ökologie der konventionellen Haltung im Vergleich zur Freilandhaltung wird (afaik) ja oftmals verwiesen, dass die Todesrate bei der Freilandhaltung (Ferkelerdrücken) höher ist und dass die Überdüngung der Böden ebenfalls skeptisch zu bewerten ist. Was hälst Du von diesen Gegenargumenten?

In einem TV-Bericht vor einigen Jahren wurde gar von einem Ministerialfuzzie behauptet, dass die Freilandhaltung aus eben diesen Gründen zwar für die Schweine gut ist, für die Umwelt aber nicht ?( ?!

Da wir jetzt schon mal einen Freilandfachmann hier haben, muss ich Dir leider diese bohrenden Fragen stellen. Wäre toll, wenn Du uns da ein wenig erleuchten könntest. Und in Sachen Vereins-Gnadenhof ergeben sich da vielleicht auch die ein oder andere Frage, bei der Du uns helfen könntest.

Viele Grüße nach Österreich,
Jörg

28.05.2004 20.05 | aramis |
Hallo Jörg!

Danke für die Loorbeeren. Ich weiß nicht ob ich ein Experte für Freilandschweinehaltung bin. Diese Thematik ist bei uns hier in Österreich eigentlich eher ein sehr junges Forschungsgebiet. Allerdings bin ich von Anfang an dabei, als 2001 eine Projekt durch die Initiative von Bauern, eines Vermarkters und einer Tierschutzorganisation zur Freilandschweinehaltung ins Leben gerufen wurde.Wir betreuen dieses Projekt wissenschaftlich mit und haben schon Detailaspekte der Fragestellungen zur ganzjährigen Haltung von Schweinen im Freiland untersucht.

Ich möchte an dieser Stelle einmal ein paar grundsätzliche Dinge bzw. Kriterien für eine artgemäße und ordnungsgemäße Schweinefreilandhaltung anführen.

In der Stallhaltung erweisen sich grundsätzlich selbst unter günstigen Bedingungen mehrere Ansprüche der Tiere als unerfüllbar. Schweine finden in den komplexen Verhaltensabläufen von Erkundung, Futtersuche und Futteraufnahme nicht die dafür geeigneten Bedingungen vor. Für das auf Umgebungstemperaturen und den jeweiligen physiologischen Zustand sensibel reagierende thermoregulatorische Verhalten fehlen in üblichen Stallhaltungssystemen die adäquaten Voraussetzungen. Im Sozialverhaltensbereich kommt es durch beengte Bewegungsflächen im Stall in vielfältiger Weise zu Beeinträchtigungen des Wohlbefindens der Tiere.

Die zuletzt in Diskussion gekommene Freilandhaltung von Schweinen kann eine artgemäße und alternative Haltungsform sein, wenn geeignete genetische Herkünfte zur Verfügung stehen, der Standort mit den Anforderungen an eine tier- und umweltgerechte Schweinefreilandhaltung übereinstimmt und in den Freilandgehegen Strukturen und Einrichtungen vorhanden sind oder geschaffen werden, die den Ansprüchen der Schweine entsprechen. Zur Möglichkeit, die Tiere auf einfache Art und Weise artgemäß zu halten, kommt die Ersparnis von Investitionskosten und die Gewähr hinzu, einen hohen Qualitätsstandard im erzeugten Produkt zu erreichen.

Nach bisherigem Wissensstand setzt eine ordnungsgemäße Schweine-Freilandhaltung folgende Haltungsbedingungen voraus:
Freie Futterflächen mit vielfältigem ober- und unterirdischem Futterangebot.
Zusätzlich ad libitum Angebot an Futter und Trinkwasser.
Deckende Vegetation (Busch- und Baumbestand) als Schutz- und Rückzugsbereich in einem Teilbereich der Freilandfläche.
Zusätzlich ausreichend große, möglichst isolierte Schlafhütten.
Möglichkeit zur Anlage von Suhlen und ausreichend geeignete Strukturelemente für das Komfortverhalten (Scheuermöglichkeiten).
Standortspezifischer Tierbesatz, der den Erfordernissen der Wasserrechtsgesetzgebung (in Österreich BGBL Nr. 252/1990) und in Biobetrieben den spezifischen Bestimmungen der Verordnung (EG) 1804/99 sowie den Bioverbandsrichtlinien entspricht.

Von Sauen werden in Freilandhaltung neben hohen physiologischen Reproduktionsleistungen wie Wurfgröße und Milchproduktion, vor allem auch vorzügliche Muttereigenschaften erwartet.Mastschweine sollen genetisch grundsätzlich mit guten Mastleistungs-eigenschaften (hohe Tageszunahmen bei geringem Futterverbrauch) und möglichst hohem Magerfleischanteil im Schlachtkörper sowie guter Fleischbeschaffenheit (organoleptische, ernährungsphysiologische und verarbeitungstechnologische Eigenschaften) ausgestattet sein. In Freilandhaltung muss eine zumindest ebenso ausreichende Disposition für Fitnesseigenschaften (Widerstandskraft, Bewegungsleistung) vorhanden sein.Aus Untersuchungen zum Ausscheidungsverhalten von Schweinen in Freilandgehegen und Ergebnissen eines wasserwirtschaftlichen Monitorings leiten sich folgende Empfehlungen für eine wasser- und gewässerverträgliche Schweinefreilandhaltung ab:
1.Grundsätzliche Standorteignung
·Schutz- und Schongebiete sind von einer Freilandschweinehaltung ausgenommen.
·Durchschnittliche Geländeneigung der Gehegeflächen soll kleiner als 10 % sein.
·Mindestabstand von Gewässern.
·Die Standorteignung für eine Schweine-Freilandhaltung ist von einer Bewertungsgröße abhängig zu machen, die sich aus der klimatischen Wasserbilanz und der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens ergibt. In Österreich ist die Bodenzahl (Ergebnis der Finanzbodenschätzung) als Bewertungsgröße heranzuziehen und wird als flächengewichtetes Mittel unterschiedlicher Bonitäten in einem Gehege angewendet.
·Gehegeflächen mit hoch anstehendem Grundwasser sind ausgeschlossen.

2.Maximaler N- Eintrag = 170kg/ha und Jahr.
·14 Mastschweine (> 30 kg) oder
·74 Aufzuchtferkel (15-30 kg) oder
·7 Zuchtsauen bzw. Zuchteber.
·Maximale Dauer der Beweidung: 1 Jahr sofern nicht durch Erhöhung der Besatzdichte der maximale N-Eintrag schon vorher erreicht wird.

3.Gehegemanagement
·Der Beginn der Beweidung hat auf einer festen Grasnarbe zu erfolgen.
·Einrichtungen (Futterstelle und Schlafhütte) sind auf Teilstücken des Geheges mit unter einer vorgegeben Mindestbodenzahl nicht zulässig (unabhängig von der Höhe des flächengewichteten Mittels der Bodenzahl).
·Durch systematisches Verstellen der Gehegeeinrichtungen muss während einer Weideperiode die Gehegefläche möglichst gleichmäßig genutzt werden.
·Der hüttennahe Eingangsbereich ist mit einer Strohauflage zu versehen, welche im Sinne einer ordnungsgemäßen und sachkundigen Vorplatzbetreuung zu behandeln ist.

4.Waldweide
·Der Anteil von Wald an der Gehegefläche darf maximal 20 % betragen und muss die Form eines Waldstreifens aufweisen.
·Im Wald sind Einrichtungen (Futterstation und Schlafhütte), aufgrund des häufigen Aufenthaltes der Schweine, nicht zulässig.
·Die Waldfläche ist für die Bestimmung der Besatzdichte nicht anrechenbar.
·Für die Nutzung der Waldflächen als Weide ist eine forstrechtliche Bewilligung erforderlich.


Zu der Frage meiner Argumentationslinie hinsichtlich Aufzuchtleistung bzw. Zahl der abgesetzen Ferkel möchte ich dir folgende Zahlen geben:

Stand 2002: 16 Betriebe, 123 ha, 163 Sauen, 983 Mastschweine
Aufzuchtleistung: 82 Würfe, 8,8 aufgez. Ferkel/Wurf

Wir haben zuletzt eine Untersuchung bezüglich Einfluss von Wurfhüttengröße und -situierung auf das geburts- und ferkelbezogene Verhalten von Sauen im Freiland gemacht
Besonderes Augenmerk wurde auf die Wahl eines geeigneten Wurfnestes gelegt.

Zweifelsohne wird die Freilandhaltung dem Verhalten der Zuchtsauen am ehesten gerecht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Anforderungen an Hüttengröße, –gestaltung und örtliche Situierung den heutigen Erfahrungen entsprechen und ein auf das Tierverhalten abgestimmtes Management zum Einsatz kommt. Die konsequente Nutzung neuer Kenntnisse, eine verbesserte technische Ausstattung und eine verhaltensgerechtere Tierbetreuung führen zu niedrigeren Ferkelverlusten und einer besseren Wirtschaftlichkeit der Schweinefreilandhaltung.

Du siehst, es gibt noch viele Dinge, die näher untersucht werden müssen.

Ich hoffe ich konnte dir mit meinen Informationen weiterhelfen.

Grüße Nitsch

28.05.2004 20.39 | SHierling | Geeignete Rassen?
Hallo,
Das klingt ja gut, und unterschiedet sich anscheinend auch nur marginal von den deutschen Untersuchungen und Gesetzen.

Mich würde mal interessieren, mit welchen Rassen/Herkünften ihr gearbeitet habt - gerade was Aufzuchtleistung und AD_Lib-Fütterung (womit?) angeht. Wie wurde da die Grundfutteraufnahme im Freiland angerechnet und bei welchen Werten landet dann die Gesamtration je Sau?
Interessiert mich deswegen Untersuchung AdLibSauen und weil ich schon länger Daten darüber suche, wie (auch bei Hühnern) bei solchen Versuchen ganz generell die Futteraufnahme im Freiland bei Monogastriern erfaßt werden kann - angedacht war mal eine Kropfuntersuchung beim Huhn (etwa wie eine Pansenprobe), aber beim Schwein bleibt ja nicht viel außer Direktbeobachtung? Oder wird sowas dann einfach "geschätzt" anhand des Pflanzenbestandes?

Falls es noch irgendwelche links/Scripte/Abstracts gibt, würde ich mich auch sehr freuen..

Danke&Winke
Brigitta.

/edit PS: Wieviel Bodenpunkte (falls das umrechenbar ist) haltet ihr denn für "unterste Grenze" ?

/edit² PS²: in D ist bei der Errichtung von Abferkelhütten vorgeschrieben "Schutz vor dem Erdrücken der Ferkel" zu gewährleisten - ist das bei euch anders bzw. wie sehen dann die "idealen" Nester aus?

28.05.2004 21.34 | aramis |
Hallo Brigitta!

Ich werde versuchen, Deine Vielzahl an Fragen best möglich zu beantworten:

Genetische Herkunft:
Die EU-VO 1804/99 (RAT DER EUROPÄISCHEN UNION, 1999) zur Tierhaltung in der Biologischen Landwirtschaft besagt:
„Bei der Wahl der Rassen oder Linien ist der Fähigkeit der Tiere zur Anpassung an die Umweltbedingungen, ihrer Vitalität und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten Rechnung zu tragen. Außerdem müssen die Rassen oder Linien so ausgewählt werden, dass die für bestimmte, in der Intensivhaltung verwendete Rassen oder Linien typischen Krankheiten oder Gesundheitsprobleme (z. B. Stress-Syndrom der Schweine, PSE-Syndrom, plötzlicher Tod, , usw.) vermieden werden. Einheimischen Rassen und Linien ist der Vorzug zu geben.“
Bei dem beschriebenen Bio-Freilandversuch erfolgte die Wahl der genetischen Herkünfte der Tiere demnach nicht nur hinsichtlich guter Mastleistungs- und Schlachtkörpereigenschaften. Ebenso sollten die morphologischen, physiologischen und verhaltensspezifischen Eigenschaften der Tiere mit dem Arttypus des Schweins derart in Übereinstimmung stehen, dass einerseits die für Schweine typische Nutzung des Freigeheges und andererseits die Gesunderhaltung der Tiere erreicht werden können, bei gleichzeitig möglichst hoher Mastleistung und guter Produktqualität. Um konkrete Aussagen zu diesen Zusammenhängen zu erhalten, wurden hinsichtlich der Kriteriengruppen Leistungsprofil und arttypuskonforme Ausstattung drei genetisch unterschiedliche Gruppen ausgewählt (KONRAD, 2000):
1.Edelschwein (E, Reinzucht)
2.Edelschwein x Landrasse x Pietrain (E x L x P oder ÖHYB , Dreirassenkreuzung)
3.Landrasse x Duroc (L x D, Zweirassenkreuzung)

Die Fütterung erfolgte ad libitum.
Deine Fragen hinsichtlich ad libitum Fütterung zieltwahrscheinlich auf folgende Problematik ab: Als nachteilig werden bei ad libitum Fütterung die höheren Gewichtszunahmen von trächtigen Zuchtsauen und die damit verbundene verminderte Fruchtbarkeitsleistung erwähnt.

Je nach Reproduktionszyklus ist der Nährstoffbedarf unterschiedlich. Um die Umwelt vor stickstoffreichen Ausscheidungen zu schützen, sollte die Fütterung zweiphasig, d.h. getrennt nach tragenden (12,0 - 13,5 MJ ME/kg FS und 12% RP/kg FS) oder laktierenden (13,5 – 14,0 MJ ME/kg FS und 17% RP/kg FS) Sauen, erfolgen.

An dieser Stelle möchte ich Dir folgende Punkte mitteilen, die uns sehr wichtig erscheinen weiter zu untersuchen:

Forschungsbedarf:
-Optimierung der Futterstation.
-Optimierung der Futterzusammensetzung für eine bedarfsgerechte Fütterung bei ad libitum Futterverabreichung in der Sauen- und Mastschweinefütterung zur Vermeidung einer übermäßigen Verfettung der Tiere.
-Erprobung von Verfahrensabläufen für eine möglichst einfache praktische Anwendung der Mehrphasenfütterung in der Mastschweinehaltung zur Vermeidung erhöhter Nährstoffausscheidungen.


Hütten:
Bei der vorliegenden Untersuchung wurden zwei verschiedene Hüttengrößen verwendet. Im Herbst stand je Zuchtsau nur eine Hütte mit der Abmessung 1,80 x 2,80 m (Tiefe x Breite) zur Verfügung. Im Frühjahr konnte jede der drei Zuchtsauen zwischen zwei verschiedenen Größen wählen: Hüttengröße wie im Herbst (1,80 x 2,80 m Tiefe x Breite) und 2,20 x 3,50 x 1,75 m (Tiefe x Breite x Höhe).

In der Literatur sind über die Größen der Abferkelhütten Angaben von 1,4 bis 1,5 x 2,5 x 1 m (THORNTON, 1990), 1,5 x 2,8 x 1 m (BRUCKNER et al., 1998), 1,65 x 2,6 x 1,05 m und 1,6 x 2,6 x 1,2 m zu finden (WÜLBERS-MINDERMANN et al., 2002).

Es sind folgende Vorkehrungen hinsichtlich der örtlichen Hüttensituierung und der Hüttengestaltung zu treffen, um der Sau die Erreichung einer möglichst hohen Wurfnesttemperatur zu erleichtern:
·windgeschützter Hüttenplatz
·südseitiger Hütteneingang
·Vorhang vor dem Hütteneingang
·ausreichend Einstreu
·eventuell Wärmedämmung der Hütten

Jene Hütten, die die Sauen in den Tagen vor der Geburt als hauptsächlichen Aufenthalts- und Ruheort wählen, ist in der Regel nicht die Abferkelhütte. Eine Erklärung dafür könnte die endogene Motivation der Sau zur Isolierung von der Gruppe und damit vom bisherigen Ruheort vor der Geburt sein.
Für die Auswahl des Wurfnestes wurden zum überwiegenden Teil die größeren Hütten den kleineren vorgezogen. Ranghöhere und zuerst gebärende in der Gruppe wählten die attraktivsten Abferkelhütten hinsichtlich Hüttengröße und örtlicher Situierung aus.

Bodenzahl
Die Freilandschweinehaltung ist unter Berücksichtigung einer bestimmten Staffelung der Besatzdichten ab einer Bodenzahl von 20 bewilligungsfrei. Die Bodenzahl ist als flächengewichtetes Mittel der unterschiedlichen Bonitäten in einem Gehege zu ermitteln.
Bei einer Bodenzahl <20 ist für die Freilandschweinehaltung um wasserrechtliche Bewilligung bei der zuständigen BH anzusuchen.


Für weitere Informationen bzw. Daten (div. Berichte) kann ich Dir empfehlen, Dich mit der Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN (www.vier-pfoten.at) in Verbindung zu setzen. Sie sind Mitinitiatoren unseres Freilandschweineprojektes und können Dir sicher noch weiterhelfen.

Bis dann
lG Nitsch

28.05.2004 22.29 | SHierling |
Hallo,
danke für Deine ausführliche Antwort. Solche Versuche sind ja inzwischen EU-weit schon sehr viele gemacht worden und werden ja auch überall in den von Dir genannten Bereichen weitergeführt. (1996 in der Elbtalaue abgeschlossen wurde ein ähnliches Projekt, allerdings mit Robustrassen (Mangalitza, Sattelschwein, Düppelner), darum die Nachfrage.

Auch die Zweiphasenfütterung ist mir bekannt, was ich eigentlich wissen wollte also nochmal in genauer: Die Tiere nehmen im Freiland ja Nahrung auf - und zumindest solange der Boden noch bewachsen ist, ist das auch nicht wenig - Kirchgesser rechnet mit bis zu 18kg je Sau und Tag, Möhring etc kommen auf ähnliche Werte.
Die in diesem Futter enthaltenen Rohnährstoffe, insbesondere RP, bzw. vRP und Rf müssen ja - unabhängig von rationierter oder ad-lib-fütterung- irgendwie angerechnet werden um auf eine angemessene und tiergerechte Gesamtration zu kommen. Alles nix neues,das hattet ihr im Studium ja genau so wie es in D auch gelehrt wird.

Nur: um diese Beträge anrechnen zu können, muß man sie erstmal erfassen - und zwar gerade bei leistungsbezogener Fütterung ja während des Versuches mindestens zweimal, besser dreimal. Mich interessiert nur, WIE diese Erfassung bei euch vonstatten geht - ob über Zählrahmen und Schätzwerte oder über Direktbeobachtung.

Danke für den Link, ich werden dort mal versuchen, näheres zu erfahren :-)
Grüße
Brigitta

29.05.2004 09.07 | aramis |
Guten Morgen Brigitta!

Also, nachdem ich im Fachbereich Nutztierethologie tätig bin umfasst meine Arbeit im wesentlichen Fragestellungen hinsichtlich Tierverhalten und Haltungsumwelt. Das gesamte Projekt jedoch inkludiert natürlich auch die Fragen bezüglich Fütterung. Jedoch betreut diesen Bereich die Arbeitsgruppe Tierernährung.
In Untersuchungsreihen der Arbeitsgruppe an unserem Institut werde dzt. in Zusammenarbeit mit einer Lw.-fachschule Futterpflanzen für die Schweinefreilandhaltung untersucht, die als Frischgut für Schweine attraktiv, gut regenierbar und möglichst N-zehrend sind.
Theoretisch führt die Beifutteraufnahme der Tiere zu einer Reduktion der Grundfutteraufnahme und damit zu einer Verringerung der Nährstoffimporte auf die Gehegefläche.
Die Beobachtungen des Futteraufnahmeverhaltens von Schweinen im Freiland zeigen jedenfalls, dass die Tiere trotz Sattfütterung an einer Futterstelle etwa 25-40% der Tagesaktivitätszeit mit der Suche und Aufnahme zusätzlichen Futters verbringen. Wieviel diese Menge, ausgedrückt in den entsprechenden Nährstoffen, beträgt, sollen weitere Untersuchen klären.

Grüße Nitsch

04.01.2008 12.28 | SHierling | und sie lernen es nicht und nicht und nicht .... :-(
http://www.pigpool.de/db/default.cfm?did=1089381

Grüße
Brigitta

04.01.2008 22.23 | PommernPower | RE: und sie lernen es nicht und nicht und nicht .... :-(
was hat der denn für Buchten und Sauen und riesige Verluste ???

wenn man schon bloss 3 Sauen hat... wie kann man es schaffen das jede von den drei Sauen innerhalb von 4 tagen 6 bis 7 Ferkel Totdrückt

sowas hab ja noch nie gelesen/gehört ...

06.01.2008 13.13 | Sabine |
Moin Micha

Kann man den toten Ferkeln ansehen ob sie erdrückt wurden oder ob sie an etwas anderem gestorben sind?

06.01.2008 22.52 | Sabine |
Micha hat mir inzwischen mitgeteilt das man seiner Meinung nach den Ferkeln nicht ansieht ob sie totgedrückt wurden oder an etwas anderem gestorben sind. Das war auch mein Gedanke bei dem Link von Brigitta.

07.01.2008 16.56 | SHierling |
War ja klar, das wieder irgendeine Ausrede kommt, weil nicht sein kann was nicht sein darf, oder? Wer nicht mal unterscheiden kann, ob seine Ferkel erdrückt (erstickt! blaue Zunge!) worden sind oder nicht, der sollte sich vllt doch über seine Fachkunde und das ein oder andere Praktikum nochmal ein paar Gedanken machen, und abgesehen davon : das ganze wäre in jedem Fall Sache des TA gewesen, spätestens der kann sowas dann nämlich.

Es ist aber langhin bekannt, daß bei zu großen (= zu kalten!) Abferkelställen der %Satz toter Ferkel durch Erdrücken erheblich höher ist als im normalen Stall, eben weil die Tiere sich viel zu dicht an die Sau drängen, und eben erst recht, wenn da dann kein Schutzkorb ist. Ein Wildschwein baut sich ein Nest mit ~30° Innentemperatur, und tyyyyyypisch Hobbyhalter ist es eben, seiner Sau in einem riesen-Stall (Bauern sind ja alles Tierquäler, klar) beim "Nestbau" zuzugucken, "Ooooh sie trägt 3 Halme Stroh zusammen, wie tooooolllll, kommt alle her und sehr wieviel "Instinkt" so ein Schwein hat...." und nichts, aber auch NICHTS zu kapieren dabei.
Und die toten Ferkel kommen dann natürlich woandersher, - hätte ich wissen sollen. :mauer:

07.01.2008 17.40 | sparky |
Ja klar, man braucht ja auch eine Rechtfertigung für zu kleine Abferkelbuchten!!!! :bonk:
In zu großen Ställen werden ja die Ferkel erdrückt, weil sie ja zuuuuuuviel Platz haben.
Manch eine Sau in den Zuchtbetrieben wäre froh sie könnte 3 Strohhalme zuzammentragen und einen Kessel bauen. :mauer:

Wie wärs mal mit artgerechter Schweinehaltung und Ferkelaufzucht???!!! Auch bei den lobgepreisten Bauern, von der Massentierhaltung will ich garnicht sprechen, da ist sowieso Hopfen und Malz verloren. Da müssen ja soviel Muttersauen auf soviel Quadratmeter liegen, damits wirtschaftlich ist.

Aber dann auf Hobbyhaltern rumhacken, die ihr Bestes für die Tiere tun und nicht alle Agrarwirtschaft Schwerpunkt Schweinehaltung studiert haben.
Wo kommen denn die ganzen Krankheiten her??? Von den Hobbyhaltern???? Nur weil jetzt ein Unfall passiert, wobei man ja nicht weiß ob erdrückt oder nicht!

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