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29.10.2017 21.34 | Schnüdi | Schweinezeit vorbei
Nun ist unsere Schweinezeit endgültig vorbei, unser letztes Schwein Rosalie ist mit sagenhaften siebzehneinhalb Jahren gestorben. Nachweislich, denn unser Metzger im Ort hat sie zu seinem dreißigsten Geburtstag geschenkt bekommen (wie originell!) und im Mai feierte er seinen 47ten Geburtstag.
Neben unseren anderen Schweinen Rüdiger, Eddie, Nico und Piggi hat uns Rosalie lange Jahre viel Vergnügen bereitet. Sie war unser einziges durch und durch gesundes Minischwein, sie war normalgewichtig (80kg, hatte nie Probleme mit den Augen oder Klauen, sie benötigte nie einen Tierarzt, sie war schlau, schnell und überaus witzig. Außerdem hat sie uns bei all der Traurigkeit die Freude gemacht und ist, wie auch unser Eddie, an Altersschwäche einfach gestorben. Gegen Ende sind beide Schweine viel gelegen, haben immer weniger gefressen und immer weniger getrunken und zuletzt sind sie noch wenige Tage nur gelegen. Will man die Tiere so gehen lassen, muss man das schon auch aushalten, aber es ist ein natürlicher Weg und lohnt sich allemal.

Leider mussten wir die Leben von Rüdiger, Nico und Piggi mit ärztlicher Hilfe beenden. Um in dieser schwierigen Entscheidung ein bisschen Licht in unser Leiden und den Qualen, die beim Beenden unserer Lieblinge entstanden sind, zu bringen, möchte ich am Ende unserer Schweinezeit über unsere Erfahrungen berichten.

Nico, der relativ früh erlöst werden musste, weil er einfach schwer krank war (Nierenversagen) wehrte sich heftig bis zum Schluss. Das Sedieren, wir wissen es, ist immer problematisch, aber die Wehrhaftigkeit bis zum Schluss ist regelrecht gruselig. Der Schock saß lange und tief.
Bei unserem Rüdiger wurde es noch viel schlimmer!
Rüdiger war mit seiner riesigen Größe (160 lang, 75 hoch, 160 kg) nicht in der Lage, im Alter seine Fettreserven selbst abzubauen. Er konnte irgendwann nicht mehr aufstehen und obwohl er weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich nahm, war die abwartende Zeit zu lange, er lag sich großflächig wund und wir entschlossen uns, ihn zu erlösen.
Trotz massiver Überdosierung musste der Tierarzt unendlich viele Sedierungsspritzen setzten, bevor er endlich die erlösende Herzspritze setzten konnte. Rüdiger mobilisiert noch einmal unglaubliche Kräfte, bäumte sich auf und wehrte sich heftig.
Es dauerte ewig, es war grausam!
Wer diese Erfahrung hat, muss feststellen, dass diese Art von Euthanasie für uns und unsere Lieblinge furchtbare Erlebnisse sind. Für uns war klar, so werden wir nie wieder vorgehen.
Bei Piggi entschlossen wir uns endlich dazu, zum Tierarzt noch jemanden zu holen, der einen Rinderbolzen setzen kann. (Rinderbolzen deshalb, weil die Stirnplatte der Minischweine sehr dick ist.)
Piggi hatte von klein an ein Hüftproblem, im Alter wurde das zunehmend zum Problem und letztendlich konnte sie sich nur noch aufsetzen und hatte offensichtlich auch Schmerzen. Wir entschlossen uns, dem ein Ende zu machen.
Herr B. kam gleichzeitig mit dem Tierarzt. Er ging ganz entspannt in den Stall, Piggi setzte sich auf und schaute ihn furchtlos und neugierig an. Ruhig und sicher setzte er den Schuss und bevor Piggi überhaupt noch was Denken konnte, kippte sie zur Seite und war weg. Der Tierarzt setzte die Herzspritze und alles war vorbei. Das Ganze dauerte insgesamt keine fünf Minuten.

Nie wieder würden wir ein so schwer zu sedierendes Tier auf eine andere Art und Weise erlösen. Das Bolzen hört sich erst einmal schlimm an, wir können aber versichern, dass es wirklich eine humane und sanfte Art der Tötung ist.

Wir wünschen allen Schweinefreunden, die sich mit diesem Thema früher oder später auseinandersetzten müssen, die richtige Entscheidung und alles Gute für Tier und Mensch.

30.10.2017 06.17 | Silke (wutzwutz) |
Für alle die gehen mussten einen guten Weg über die Brücke.
Für Euch viel Kraft.

Vielen Dank für den ehrlichen Bericht.

30.10.2017 07.50 | Franziska |
Es tut mir sehr leid, dass Eure Schweinezeit vorbei ist! :troest: An Schnüdi kann ich mich sehr gut erinnern, er ist sicher bei vielen unvergesslich!

Trotzdem noch kurz eine Frage:
Was genau meinst Du mit "Herzspritze?" Eine Spritze direkt ins Herz?

Ich glaube, ich eröffne mal einen separaten Thread (oder jemand anders) über Euthanasie-Methoden. Offenbar gibt es da sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Es wäre wichtig, dass wir diese untereinander austauschen, weil sie meist in der jeweiligen Regenbogen-Brücke für ein Schwein erwähnt werden.

Die Arbeit ruft... ich schreibe abends weiter.

30.10.2017 10.00 | Schnüdi |
Hallo Franziska,
ja, es ist eine Spritze, die direkt ins Herz gesetzt wird. Welches Mittel dafür benutzt wird, müsste ich allerdings beim Tierarzt erfragen.
Das Thema hat uns Jahre beschäftigt und interessiert mich immer noch, auch wenn unsere Schweinezeit vorbei ist. Wenn Du das zum Thema machst, werde ich es sicherlich verfolgen.
Liebe Grüße
Daniela

30.10.2017 10.48 | Barbara |
Auch mir tut es sehr leid für eure Abschiede, ist immer schwer :troest:

Deinen Bericht finde ich sehr ehrlich und sehr hilfreich. Vielen, vielen Dank!

Ich habe auch Euthanasie-Erfahrung. Meine ersten zwei Rüssels gingen durch TA-Euthanasie (im Abstand von ca. 3 Monaten). Sie waren auch um die 17 Jahre.
Beide lagen am Ende nur noch noch, wollten gar kein Futter und kein Trinken. Nach ein paar Tagen ohne Futter/Trinken entschied ich, sie einschläfern zu lassen.

Zuerst bekamen sie eine Sedationsspritze. Der Borg zeigte keinerlei Regung, schlief einfach ein. Die Sau stand nach der Sedationsspritze auf im Stall, wollte noch etwas rumlaufen, ging gegen die Stallausgangstüre. Ich kraulte sie, beruhigte sie und hielt sie etwas, dann sackte sie rasch zusammen und schlief.
Dann gab der TA die Herzspritze direkt ins Herz (bei Beiden), das ist dann die finale Spritze. Davon merken sie nichts mehr.

Aber nur schon, dass die Sau nach der Sedationsspritze nochmals aufstand und rumlief gegen den Stallausgang ist nicht einfach zu ertragen. Geschweige denn was du erlebt hast.

Bei meinen ist die Euthanasie zum Glück akzeptabel verlaufen. Aber wie du schreibst, das ist ganz schwierig und immer unterschiedlich im Verlauf. Ich könnte mir vorstellen, dass wenn ein Schwein schon ganz alt und/oder sehr krank und sehr reduziert ist, sich das Aufbäumen eher in Grenzen hält, als wenn ein Schwein noch einige Kräfte hat. Aber man weiss es nie wirklich.

Ich bin froh, von Dir gehört zu haben, dass mit der Rinderbolzenschuss-Methode/TA es ganz schnell und sanft ging. Werde dies, wenn es wieder mal so weit kommen sollte, auch in Erwägung ziehen.

30.10.2017 14.08 | Peter |
Original von Franziska

Ich glaube, ich eröffne mal einen separaten Thread (oder jemand anders) über Euthanasie-Methoden. Offenbar gibt es da sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Es wäre wichtig, dass wir diese untereinander austauschen, weil sie meist in der jeweiligen Regenbogen-Brücke für ein Schwein erwähnt werden.


Erledigt:
Der letzte Gang

@Daniela:
Danke für Deine offenen Worte. Ich weiß nicht, ob es am Namen liegt, aber der "Fortgang" unserer Piggy (eher die Art und Weise) bescherte mir traumatische Erlebnisse, die ich evtl. zu anderer Gelegenheit etwas ausführlicher darstellen werde.

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