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26.11.2013 10.11 | Maike | Ferkeltagebuch
Liebe Alle,

gestern sind unsere Schweine Eltern geworden. Ich würde dies gerne zum Anlass nehmen, eine Art "Tagebuch" zu führen. Nicht nur, um Erinnerungen für mich zu behalten, sondern für alle, die diese Erfahrung machen werden.

Es ist Ende November. Unsere Lilly hat seit zwei Wochen großen Futterneid und geht gerne unsanft bei ihrem Bruder Bruno klauen. Wir beobachten, dass ihre Scham stark geschwollen ist. Mehr als bei der Rausche, aber ohne dunkle Verfärbung. Lilly war das erste Mal im Juli rauschig, da war sie ca. 3,5 Monate alt. Unser Tierarzt sagte, dass wir noch Zeit hätten mit der Kastration von Bruno. Trotz wöchentlicher Anrufe mit der Bitte um einen Termin war Bruno erst Mitte August dran. Jetzt wissen wir, dass es zu spät war, damals beruhigte uns der Tierarzt: Da kann nix passiert sein.

Ich beobachtete Lilly genau. Sie war immer dicker als Bruno, aber trächtig sah sie nie aus. Sie verhielt sich normal, nur so richtig rauschig wollte sie nicht mehr werden. Sie war gelegentlich fiepiger, irgendwie "pseudo-rauschig", aber nie richtig mit allem Drum und Dran. Nun gut, irgendwo hatte ich gelesen, dass sich das erst einpendeln muss. Ähnlich wie beim Menschen. Also keine Sorgen machen. Dennoch habe ich immer gezweifelt. Ich habe eine Trächtigkeit immer in Betracht gezogen, mich damit beschäftigt. Als Schweineneuling war es mir jedoch nicht möglich, irgendetwas genauer zu definieren.
Eigentlich wollte ich meine Sau und ihren Bruder erstmal im "Normalzustand" kennenlernen, nicht gleich trächtig. Aber wie soll man das, wenn man zweifelt? Alle um mich herum vertraten die Meinung, dass Lilly halt einfach pummelig sei und sicher nicht trächtig. Hm.

Vor wenigen Wochen fiel mir dann auf, dass Lillys Scham extrem anschwoll. Auch ihre Zitzen vergößerten sich, nicht jedoch die Milchleiste. Naja, vielleicht wird sie nun geschlechtsreif? Immerhin sagte der Tierarzt, dass Schweine mit 6-7 Monaten geschlechtsreif werden. (Aber steht im Forum nicht deutlich, dass es 3-4 Monate sind? Und steht da nicht auch etwas von anschwellender Scham und größerem Gesäuge kurz vor der Niederkunft? Aber wer bin ich, dass ich als Schweineneuling dem Tierarzt keinen Glauben schenke? Ich habe weder Wissen, noch Erfahrung.) Dann kam der Futterneid hinzu. (Aber das scheint ja auch normal zu sein bei Schweinen.)

Gestern, es ist der 25.11., werden wir sehr früh von schweinischen Gerödel im Stall geweckt. Irgendeiner von den beiden macht sich deutlich an der Plane zu schaffen. Unser Schlafzimmer liegt gleich neben dem Stall, ein Stockwerk höher. Deswegen bekommen wir alles sehr gut mit. (Wieso sollten sie JETZT aus Langeweile die Plane zerfetzen?) Meine morgendliche Runde in den Stall empfinde ich anfangs normal. Ich füttere Bruno und Lilly - und sehe dann die zerfetzte Plane. Nagut, seltsam, irgendwie. Ich richte die Plane wieder, lockere das Stroh und werde dabei neugierig von Lilly beäugt. Bruno kommt auch und will gucken - Lilly vertreibt ihn. (Alarmstufe gelb. SO zickig war sie noch nie. Unbedingt beobachten!)
Nichtsdestotrotz: Ich muss arbeiten. Glücklicherweise arbeite ich gleich nebenan und so kann ich in der Mittagspause schnell rüberlaufen und nachsehen. Lilly hat den Stall komplett umgebaut, Bruno hat Zutrittsverbot. (Alarmstufe dunkelgelb bis hellrot.) Er steht bedröppelt in der Gegend herum. Ich nehme die Holzbox, die wir als zusätzliche "Wärmekammer" in den Stall gestellt haben, und bugsiere sie nach draußen, damit Bruno einen Unterstand und eine Schlafmöglichkeit hat. Es ist kein Luxus, aber es muss für heute nachmittag reichen. Für Lilly verteile ich den restlichen halebn Strohballen, den wir haben, zusätzlich im Stall. Sofort fängt sie an zu scharren und zu räumen. (Alarmstufe rot, ziemliche Gewissheit.) Ausser Füttern, Wasser kontrollieren und Öhrchen kraulen bleibt mir nichts zu tun.
Also gehe ich zum Mann, der mir Erkältung flachliegt.
"Ich glaube", sage ich, "wir sind spätestens morgen Ferkelgroßeltern." Der Mann grummelt, kann sich das nicht so richtig vorstellen - und in seinem Zustand will er das wahrscheinlich auch nicht. Ginge mir genauso. Es ist kurz nach Eins, als ich wieder ins Büro gehe.

Um halb vier klingelt das Telefon. Der Mann ist dran. "Ich denke, wir sollten den Tierarzt rufen!" (Panik. Ist etwas schlimmes? Wie geht es Lilly? - Ruhig bleiben, erstmal fragen.) "Wieso?" "5 sind jetzt da. Alle lebendig, soweit ich sehen konnte."

Also doch.

Ab diesem Zeitpunkt befinde ich mich in einem Gefühlschaos, wie ich es selten erlebt habe. Ich bin gleichzeitig aufgeregt, nervös, besorgt, erfreut, erleichtert und überwältigt. Als ich um vier in den Stall gehe, kommt gerade ein sechstes Ferkelchen zur Welt. Langsam schwindet das Tageslicht und wir wollen Lilly nicht stören oder beunruhigen, also verziehen wir uns still. Der Mann hat den Stallausgang mit zwei Paletten gesichert, damit Lilly vor Bruno (den das alles irgendwie recht kalt lässt) Ruhe hat und die kleinen Ferkel beim Herumkrabbeln nicht herausfallen (was wir den kleinen Knöseln schon zu alles zutrauen...)
Abends füttern wir um kurz nach sieben. Lilly steht bereits wieder und scheint auch Appetit zu haben, allerdings nehmen die kleinen sie noch in Beschlag. Im Stall liegt soviel Stroh, dass man sie nur fiepen hört. Das Stroh wackelt. Wieviele Ferkel nun da liegen, wissen wir nicht. Wir wollen keine unnötige Unruhe stiften. Lilly geht es gut, das ist die Hauptsache.
Nachmittags habe ich noch zwei Strohballen besorgt, von denen wir einen aufteilen und Bruno die Box vollstrohen, damit er es in der Nacht schön warm hat. Einen Großteil des Ballens geben wir noch in den Stall, zusammen mit einer flachen Schüssel voll Wasser, damit Lilly saufen kann. Dann gehen wir ins Bett.

Ich habe ein unbeschriebliches Gefühl. Ich bin stolz auf Lilly, weil sie alles ganz alleine gemacht hat und mir so unglaublich viele Sorgen genommen hat. Und ich spüre ein sehr großes Vertrauen in die Natur.

Nachts werden wir ungefähr alle drei Stunden von dem Gefiepe der Ferkel wach. Das dauert ein paar Minuten, ich liege lauschend im Bett, versuche, das alles zu begreifen, und warte. Deutlich spürbar melden sich die Kleinen bei Hunger. Wie bei Menschen scheint es einen Fütterrhythmus zu geben. Nach ein paar Momenten werden die kleinen ruhiger, wenn sie satt sind, ist es schließlich ganz still.

Dann schlafen wir alle ein, überwältigt von diesem Tag.

04.12.2013 09.29 | Maike | 26.11.13
In der Nacht werden wir alle drei Stunden vom Gefiepe der Ferkel wach. Ich kann drei unterschiedliche Fieparten ausmachen, deswegen denke ich, dass wir morgens drei Ferkel lebend finden werden.
Sobald die Ferkel gestillt werden, werden sie ruhiger und schliesslich schlafen sie, wie wir, wieder ein.
Innerlich bin ich bereit, mich auf das Ferkelabenteuer einzulassen, was bleibt mir auch anderes übrig? Ich würde es gerne genießen, aber ständig bin ich in Sorge, ob wir alles richtig machen, ob alles gut geht und vor allem, ob wir nicht überhaupt grundsätzlich alles falsch machen. Diese Sorgen begleiten mich beim Aufwachen, beim Einschlafen und den restlichen Tag über.
Lilly lässt sich streicheln und kraulen und die Banane, die ich ihr mitbringe, findet sie toll. Ich lasse sie kurz aus dem Stall, um die Kotecke zu säubern und Desan zu verteilen. Dabei erhasche ich einen kurzen Blick auf ein Milchkaffeehelles Ferkelchen, das etwas desorientiert durch das Nest krabbelt. Sie sehen irgendwie mickrig aus, so klein. Ein bißchen fast wie Aliens mit dem großen Kopf. Von "süß" kann hier (noch) keine Rede sein, berührend ist es dennoch. Lilly kneift draussen Bruno, der geht dann in den Stall, während Lilly eine Runde spaziert. Sie kommt schnell wieder, Bruno verzieht sich. Unterm Stroh finde ich ein totes Ferkelchen, dass ich sofort mitnehme. Es hat ganz dünne, faltige Haut, aber einen samtweichen Flaum. Es ist gefleckt. Wie lange es tot ist, kann ich nicht sagen.
Aber was kann ich schon sagen? Ich fühle mich irgendwie überfordert. Es beruhigt mich, an die Natur zu glauben und ihr zu vertrauen. Aber ist das nicht ein bißchen wenig? Ich weiß es nicht. Alles scheint zuviel zu sein.
Ich bestelle im hiesigen Raiffeisenmarkt das Spezialfutter für laktierende Sauen. Das kann dauern mit der Lieferung, aber man will sich kümmern.

Auch das ist eine Sache, die wir wie den richtigen Tierarzt zu finden, falsch eingeschätzt haben. Der Landhandel vor Ort steht zwar in Kontakt zu den Kollegen im Umkreis (bis Leverkusen, Wipperfürth etc.), aber Schweinefutter zu besorgen ist dennoch ein Problem. Es gibt hier nämlich keine Schweinebauern, dementsprechend langwierig gestaltet sich die Anschaffung von Schweinefutter, egal welcher Art.
Glücklicherweise haben wir eine sehr nette Bäuerin gefunden, die nur eine halbe Stunde entfernt wohnt und Großhändlerin für Versele Laga ist. Normalerweise verkauft sie das Geflügelfutter, weil ihr Mann im Zuchtverein der Geflügelirgendwas ist. Aber für uns bestellt sie gerne das PetPig mit.
Gleich um die Ecke können wir in einem Sägewerk Hobelspäne bekommen. Ein großer, blauer Müllsack kostet 2 Euro, das finden wir vertretbar angesichts der Menge, die man in solche inen Sack bekommt. Wir erschliessen uns unser Schweinenetzwerk, aber es ist wesentlich komplizierter, als gedacht. Und bei allem, was wir tun, weiß ich nie, ob es gut genug ist. Erst recht für ein Ferkel.

In dieser Nacht höre ich nur noch ein Fiepen. Was der Morgenbringt, werden wir sehen.

04.12.2013 09.40 | Maike | 27.11.2013
Von den drei Ferkeln ist eines übrig. Es ist schwarz mit kleinen, weißen Pfötchen. Und es sieht immer noch wie ein mickriger Alien aus, aber ich finde es trotzdem toll. Aber nicht süß. Aber toll. Es meldet sich lautstark, wenn ihm etwas nicht passt, stakt fleißig der Mama hinterher und macht einen ganz munteren Eindruck.
Mama Lilly macht auch einen munteren Eindruck. Erstaunlicherweise ist sie in ihrem Stall sehr zufrieden. Sie wühlt sie durch Berge von Stroh, baut tolle Nester und schaut zufrieden-neugierig, wenn wir die Kotecke säubern. Blöd ist, dass wir über die Absperrung nicht drübersteigen können. Wir haben Paletten vor die Tür gestellt, aber zu dieser Tür führen zwei kleine Stufen. So müssen wir immer alles abbauen, wenn wir in den Stall wollen und das macht Lilly ein wenig nervös. Darum machen wir das nur, wenn es nötig ist. Das ist es, als wir nachmittags in der hintersten Ecke des Stalles noch ein totes Ferkel entdecken und bergen. Wie es in diese Ecke kam, ist uns schleierhaft. Aber zu diesem Zeitpunkt ist es eigentlich auch gleich. Wichtig ist jetzt, das überlebende Ferkel und die Mutter zu stärken, den Papa nicht zu vernachlässigen und die toten Ferkel zu bergen, was fast wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen ist. Zudem wissen wir nicht, ob es im Stall noch tote Ferkel gibt. Einige sagen: Die werden gefressen. Andere sagen: Sie werden nicht gefressen.
Was auch immer wir tun, am wichtigsten ist mir, das Vertrauen der Sau nicht zu verlieren. So meide ich ihr Nest mit dem Jungen drin und versuche, Ihr das Gefühl zu geben, kein Interesse daran zu haben. Irgendwann läuft es mir doch vor die Füße. Ich nutze die Chance und will nach dem Geschlacht schauen. Ich weiß nicht, wer erschrockener ist: das Ferkel vom Hochheben oder ich vom Geschrei des Ferkels. Immerhin sehe ich, dass die Nabelschnur ab ist und gut verhelt. Das ist ein Anfang. Und ich habe es ohne große Komplikationen angefasst. Auch ein Anfang.

Die Geduld wird zu unserem engsten Freund: Bei allem heißt es Abwarten.

04.12.2013 09.42 | Maike | 28.11.2013, Tag 4
Es ist Donnerstag. Es gibt nichts zu berichten.
Der kleine Alien scheint munter. Er oder sie stakst durch die Gegend, säuft und quiekt zuweilen. Lilly geht es gut. Sie schläft viel, freut sich über Besuch und Fressen.
Bruno geht es auch gut. Er räumt seine Holzbox aus und um, baut sich Strohnester unter einem Strauch und schläft ebenfalls viel.

Wir schlafen auch viel, die Sorgen bleiben.

04.12.2013 09.48 | Maike | 29.11.2013, Tag 5
Ich bin heute sehr viel und lange im Büro. Sven übernimmt die Schweinepflege, weiß aber nichts Aufregendes zu berichten.

Als ich am Nachmittag endlich zu Bruno, Lilly und dem Alien komme, mache ich eine seltsame Entdeckung:
Mitten in dem Strohnest, dass Lilly sich zum Schlafen gewühlt hat, liegt ein totes Ferkel. Es ist das Milchkaffeebraune, allerdings sieht es aus wie aufgebahrt. Es ist nicht platt. Es ist auch nicht zerkaut oder angebissen (man denkt ja an alles). Es ist einfach tot une liegt da, als hätte es jemand vergessen. Um das Ferkelchen rum ist die Schlafkuhle, in die Lilly genau einmal der Länge nach reinpasst. Seltsam.
Ich sammele das Tierchen ein und frage mich, wo es herkommt, wieviele es noch gibt und wie ich die finden soll, ohne das Nest zu zerstören, den Alien zu verschrecken oder Lilly zu verstören. Mir erscheint es als sehr notwendig, die Ferkel zu finden, aber als ebenso unmöglich. Zumal wir im Stall kein elektriches Licht haben und es um fünf, wenn ich Heim komme, schon dunkel ist - jedenfalls zu dunkel, um Ferkel zu suchen.
Ich rege mich selber auf. Über mich. Das erste Mal ziehe ich in Erwägung, Bruno und Lilly im Frühsommer in die Fauna (Tierpark in Solingen mit Schweinegehege im Neubau) zu vermitteln, weil ich ihnen einfach nihct gerecht werde.

Mit miesen Gefühlen, einem schlechten Gewissen und haufenweise Zweifeln an mir selbst gehe ich zu Bett.

04.12.2013 10.08 | Maike | 01.12.2013, Tag 7
Am Nachmittag wollen wir Bruno und Lilly mal wieder zusammen lassen. Bislang scheinen sie über den Zustand der Trennung nicht wirklich traurig zu sein. Bruno wuselt draussen für sich herum, Lilly ist mit Schlafen und dem Alien beschäftigt. Der Alien sieht immer noch aus wie ein Alien: Im Verhältnis zum Körper ein riesiger Kopf mit großen Augen. Aber es stakt fleißig umher. Unsere Nachbarn, versierte kasachische Ex-Schweinehalter versichern uns, dass dieses Ferkelchen auch nicht überleben wird. Wahlweise wird es alleine sterben oder gefressen werden. Ich höre mir das an, nehme es in meinen Gedanken-Sorgen-Pool auf und stelle fest, dass ich es wie immer nicht wissen kann, sondern warten muss, weil die Zeit es zeigen wird.
Sven baut die Paletten ab und Lilly schaut aus dem Stall. Bruno schaut aus etwas Entfernung in den Stall. Dann treffen sie sich und dann wird gerangelt. Es ist kein Problem, sie mit den Füßen zu trennen oder eine Gießkanne Wasser Zuhilfe zu nehmen. Aber es hinterlässt ein blödes Gefühl. Es wäre schön gewesen (wenngleich auch utopisch), sie wären sich strahlend in die Arme gefallen und hätten staunend ihr Ferkelchen betrachtet. Aber 1) waren sie getrennt, 2) sind sie Geschwister, 3) hat da bei Lilly wahrscheinlich eine deutliche Veränderung stattgefunden. Wir lassen sie sich ein wenig käbbeln, Lilly trägt einen Kratzer davon, dann kommt sie wieder (relativ freiwillig sogar) in den Stall.
Meine Gedanken laufen gleich Amok: Was, wenn sie sich nie wieder verstehen? Was, wenn Bruno nicht mehr in den Stall darf? Dauert das jetzt, bis das Ferkel weg ist? Und auf die Fragen gleich die Antworten eines Panikhirns: Du musst einen neuen Stall bauen. Denk dran, der Winter kommt, es muss ein Superstall werden. Doppelt isoliert mit Fußbodenheizung und elektrischem Futterautomat. (Was für ein Schwachsinn, aber mein hirn neigt zu solechen Panikbotschaften und weiterhin dazu, sie sehr überzeugend zu vermitteln).
Auffallend an dem Gekäbbel war, dass Bruno sich gewehrt hat. Ein wenig Stolz reifte in mir. Früher hat er wie ein Hund den Schwanz eingekniffen, wenn Lilly ihn geärgert hat. Nun hat er sich gewehrt und sogar selber gekniffen. In meinem der Natur vertrauenden Herzen kann und will ich nicht glauben, dass sich zwei Geschwisterschweine nicht mehr vertragen, wenn sie sich einige Tage nicht gesehen haben. Es dauert vielleicht etwas und es geht nicht sofort, aber sie riechen und hören sich, sind also nicht ganz aus der Welt. Das wird sich schon wieder einrenken. Hoffe ich.
heute haben wir das Futter abholen können. Zwar ist es nur bis November haltbar (laut MHD), aber ich bin trotzdem dankbar. Zwei Sack kriegen wir zum Preis von einem. Das ist allemal besser, als weiter PetPig zu füttern, glaube ich. Denn Lilly hat als säugende Sau wahrscheinlich andere Bedürfnisse als sonst. Das Ferkel zehrt von ihr mit. Vielleicht wird es mit der Futterumstellung auch fitter und stabiler. Der kleine Alien.

05.12.2013 16.07 | Maike | 03.12.2013, Tag 9
Heute habe ich mit Doris telefoniert. Ein sehr schönes Gespräch mit zahlreichen guten Tipps und einer sehr beruhigenden Wirkung. Bruno und Lilly werden wir zumindest die nächsten 5 Wochen getrennt halten. Dafür werden wir ihm um die Schlafbox einen trockenen Unterstand bauen, damit er ein wenig Luxus bekommt und einen trockenen Fressplatz hat. Lilly und das Ferkelchen bekommen eine Strohburg in die Hütte gebaut. Im Internet habe ich außerdem einen sehr guten Tipp gefunden, wie man Schweine an den PVC-Lamellen-Vorhang gewöhnen kann und sofort einen bestellt. Nachdem unsere ersten Versuche damit scheiterten, habe ich den alten verschenkt. Nun kommt ein neuer und wir probieren es nochmal.

Das neue Futter nimmt Lilly sehr gut an. Wir geben noch immer drei Mahlzeiten am Tag, so sind wir oft bei ihnen, können sie beobachten und kontrollieren, ob alles gut ist. Wasser gibt es immer frisch und Lillys Futter (ein Mehl) rühren wir mit viel Wasser an, so dass sie auch wirklich genug Flüssigkeit bekommt. Nachmittags und gelegentlich zusätzlich morgens werden außerdem Schmankerln in Frischform gereicht (Kürbis, Apfel, Walnüsse etc.), was beide auch gerne nehmen.
Doris gab zusätzlich den Tipp, dem Ferkelchen Babybrei anzubieten, wenn die Muttersau frisst. Eine gute Idee, dafür werde ich später einkaufen gehen.

Morgen werden wir außerdem das Stromkabel besorgen, das wir dann irgendwie von unserer Außensteckdose in den Stall bekommen müssen. Das wird recht spektakulär werden, aber die ein oder andere Idee haben wir schon. Eine Rotlichtlampe wird besorgt, Stroh ist bestellt und nächste Woche, wenn wir neues PetPig-Futter holen, können wir auch wieder Hobelspäne holen.

Es scheint, die Sache nimmt ihren Lauf. Ich entspanne mich. Langsam. Aber immerhin. Das Telefonat mit Doris hat Wunder bewirkt. Es ist etwas ganz anderes, mit jemanden zu sprechen, der Erfahrung hat und nicht einfach nur zu erzählen. Doris konnte mit all meinen Sorgen etwas anfangen, sie in Tatendrang umwandeln und mir Mut machen. Zu keinem Zeitpunkt kam ich mir dumm oder schlecht vor - Danke dafür. :D Das tat gut!

11.12.2013 10.05 | Maike | 11.12.2013
Heute ist Mittwoch und ich möchte Euch gerne auf dem aktuellen Stand der Dinge halten. Auch wenn das nicht schön ist.

Vorab: Bruno und Lilly geht es gut.
Letzten Donnerstag ist im Laufe des Tages das letzte Ferkelchen gestorben. Morgens habe ich es noch gesehen, es stakte bei der Fütterung hinter Lilly durch das Stroh und wollte trinken. Ich habe ihm ein Stück gematschte Banane angeboten (Lilly war mit ihrem eigenen Futter beschäftigt).
Sven hat das Ferkelchen dann später gefunden, zu dem Zeitpunkt stand Lilly schon rauschig an der Palette und wollte raus.
Die folgenden 24 Stunden waren wahrscheinlich für uns alle anstrengend. Lilly hat die ganze Nacht geschrien - ich weiß nicht, ob es an der Rausche lag oder ob sie das Ferkelchen gesucht hat. Wir waren mehrmals in der Nacht auf, um sie zu beruhigen, etwas zu füttern und nach ihr zu schauen.
Erst gegen Nachmittag am Freitag beruhigte sie sich, soff plötzlich eine Unmenge an Wasser und dann war's wieder gut.
Seit vorgestern darf auch Bruno wieder mit in den Stall, gestern morgen kamen sie nach langer Zeit wieder gemeinsam morgens aus dem Stall - worüber ich mich sehr, sehr gefreut habe.
Tina beschenkt uns mit einer Rotlichtlampe, die eigentlich für die Ferkel gedacht war. Nun werden wir sie auch ohne Ferkel aufhängen, Bruno und Lilly werden sich sicher freuen.
Auch den Tipp mit dem warmen Haferbrei am Abend haben wir aufgegriffen und festgestellt, dass die beiden das sehr gern fressen.
Gestern wurde außerdem der neue Lamellenvorhang geliefert, der nun Stück für Stück montiert wird, in der Hoffnung, dass sich die beiden dann daran gewöhnen.

Wir sind immer noch durcheinander und auch geknickt. Auf der anderen Seite sind wir auch erleichtert, dass viele Dinge nun nicht auf uns zukommen - so hart es klingen mag.

Das Ferkeltagebuch ist hier also zu Ende. Ich konnte leider nicht die Erfahrungen schreiben, die ich wollte, weil es anders kam, als gedacht. Aber auch das ist eine Erfahrung und sie ist es Wert, geteilt zu werden. Andere werden vielleicht in eine ähnliche Situation kommen.

Liebe Grüße,
maike

11.12.2013 10.54 | Daniela D. | Re: 11.12.2013
Hallo Maike,
mit Interesse habe ich das Tagebuch verfolgt, leider gibt es ein trauriges Ende, doch ich denke mir, alles hat seinen Sinn und wie es kommt, kommt es.
Vor genau einem Jahr gab es auf dem Hof, wo ich meinen Hamlet her habe auch Nachwuchs, bis auf eines sind alle ebenfalls verstorben.
Als Du geschrieben hattest, Nachwuchs ist da, hatte ich schon gedacht, hoffentlich ergeht es Dir nicht genauso, doch leider...
Scheint eine schlechte Jahreszeit zu sein.
LG

11.12.2013 12.44 | Rosie |
Maike, du hast das Tagebuch ganz super geschrieben, vielen Dank. Das Ende mag vielleicht traurig sein, aber ich glaube es war eine Riesenerfahrung fuer Euch und Lily! Gruss aus Irland, Alexander

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