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16.09.2012 08.25 | Daan V. | verflixte Situation
Verflixte Situation

Die Harmonie bei den Minischwein-Hobbyhaltern trübt ein Wenig. Ist bei der Schweinezucht das Streben nach vielen robusten Abkömmlinge das Ziel, so erscheint das bei der Hobbyhaltung immer mehr zum Tabuthema zu werden.

Bloß nicht noch mehr Schweine, denen die Gefahr droht nicht gut gehalten zu werden. Es gibt ja schon so viele „verunglückte“Schweine in der Vermittlung.

Vorherige Überlegung ber der Anschaffung und eine Artgerechte Haltung sind erwünscht, also Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Tieres ist gefordert.

Und die sind : Raum sich zu entfalten, genießen, spielen, und....lieben.

Was in der professionellen Zucht schon längst keine Romantik mehr ist, darf in der Hobbyhaltung erst gar kein Thema mehr werden. So erscheint es mir allerdings.

Fortpflanzung ist für ein Tier normal, und wenn man das soziale Leben des Schweins betrachtet, ist diese Fortpflanzung die Vollendung der Lebensaufgaben eines höchst intelligenten und sozialen Wesens.

Ich empfinde es als sehr schade, dass ausgerechnet bei diesen Tieren in der Hobbyhaltung so restriktiv, oder zurückhaltend mit Nachwuchs umgegangen wird, oder werden muss.


Mir ist das deutlich geworden, als eine Seminarteilnehmerin mir mit Stolz die Geschichte und Bilder von „ihren“ Minischweine zu mailte. Sie arbeitet als Pädagogin auf einem Erlebnisbauernhof. Da haben die Mini´s Nachwuchs bekommen.

Das Ganze wurde vom Anfang an (Zeugung bis zur Erziehung) genauestens verfolgt und dokumentiert. Ein pädagogischer Nährboden ohne Gleichen! Noch besser kann etwas nicht prägen!

Aber sind wir ehrlich.. Ihr Schweine, warum seid ihr denn auch so fruchtbar und fortpflanzungswillig?

Da ist womöglich Gott schuld dran. Der war bestimmt auch Schweineliebhaber..... ;)

Daan

17.09.2012 10.21 | Peter | Gratwanderung
Hallo Daan,
es wird immer eine Gratwanderung zwischen Moral, Ethik, Verantwortungsbewußtsein und Egoismus bleiben.

Ja, ich stimme Dir zu: Es liegt nicht in der Natur des Schweines, in einer (Mini-)Rottenhaltung auf einem (meist) begrenzten Areal sein Dasein zu fristen OHNE sich vermehren zu können oder zu dürfen.

Dennoch sehe ich aber auch eine ganze Reihe von Beweggründen, die auch mich dieser Haltungsform den Vorzug geben lassen, wie zum Beispiel
LIEBE - Ein ziemlich großes Wort für eine ganz wichtige Grundhaltung. Viele der Schweinefreunde (oder doch fast alle?) lieben ihre Tiere sehr - und dies zu Recht. Zu dieser Liebe gehört auch die (menschliche) Sorge um das körperliche Wohlergehen;
SPIEL - Die zur Verfügung stehende Zeit mit mehr oder minder sinnvollen Tätigkeiten zu füllen, halte ich nicht zwingend für verwerflich. Ob unsere Schweine wirklich Spass am Spielen haben (können), will ich einmal dahingestellt sein lassen, dennoch würde es schon an seelische Grausamkeit grenzen, sie einfach nur so ohne jede Beschäftigung vor sich hinvegetieren zu lassen;
GENUSS - Halte ich für eine mehrdimensionale Überschrift: Genießen Heini und Piggy es, wenn ich ihnen den Bauch kraule? Oder genießen sie es, im Gras zu liegen und sich von der Sonne wärmen zu lassen? Genießen sie das Schlammbad in der Suhle? Oder genießen sie die Pfirsiche, die in Sekundenbruchteilen verschlungen werden? Genießen sie es, zu zweit im Stroh Schwarte an Schwarte zu liegen?
ENFTALTUNG -Welche Möglichkeiten kann/sollte/muß der Mensch dem Schwein geben, sich zu entfalten? Ist es evtl. doch ein zu sehr vermenschlichender Ansatz, wenn wir den uns menscheigenen Maßstab für "Entfaltungsmöglichkeiten" anlegen, um das Wohl des Tieres zu messen? Wir sind einig darüber, daß Schweine sehr intelligente Lebewesen sind. Aber Entfaltung? Vermehrung, klar, das hätte ich verstanden, weil nur so die Evolution gleich welcher Spezies funktioniert.
Doch was ist mit anderen Stichworten, die m.E. ebenso in diesen Zusammenhang gehören:VersorgungPflegeSchutzSind das nicht auch Dinge, für die wir für die uns anvertrauten Lebewesen Verantwortung tragen? Mich hat niemand gezwungen, Piggy und Heini bei uns aufzunehmen, es war eine bewußte und freiwillige Entscheidung. Daß wir im Laufe der Zeit bedeutend mehr darüber erfuhren, wie Schweine "funktionieren" und welche Bedürfnisse sie haben, eint uns mit vielen anderen, die evtl. unverhofft zu Schweinehaltern werden. Doch das ändert nichts an unserem Anspruch an uns selbst, es so gut wie möglich zumachen.Unsere Mittel/Ressourcen (Platz, Geld, Zeit) sind jedoch - wie wahrscheinlich bei vielen anderen auch - eher begrenzt und nicht endlos. Demzufolge können wir (leider) nur für eine begrenzte Zahl von Tieren die Seestern-Fabel leben und Wirklichkeit werden lassen. Wir hoffen, Ihnen damit ein schlechteres (oder vielleicht richtiger: noch schlechteres) Dasein erspart zu haben, obgleich wir wissen, daß wir ihnen eben nicht alles unbegrenzt bieten können. Jedoch allein die Vorstellung, daß Heini und Piggy Nachkommen hätten, die wir wiederum abgeben müssten, ohne zu wissen (oder kontrollieren zu können), unter welchen Bedingungen die nun wiederum ihr Leben fristen würden, brächte mich in einen großen Konflikt. Es ist daher also wohl doch eher Egoismus, daß ich ausgesprochener Befürworter der Kastration bei "Hobbyschweinen" bin, auch wenn ihnen dadurch ein natürlicher Teil des Lebens vorenthalten wird.

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