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18.04.2012 19.35 | pina | Wildschwein Frischlinge
Hallo, ich habe mich gerade hier angemeldet um ein paar Fragen zu stellen. Ich lebe in Italien und wir haben vor einer Woche zwei Frischlinge an der Straße gefunden, direkt neben dem Dorf. Erst wollten wir sie liegen lassen in der Hoffnung die Mutter findet sie wohl wieder. Doch nach einer Weile sah es nicht danach aus. Die beiden lagen direkt neben der Straße und haben sich kaum noch bewegt. Wir haben eine Aufzuchts und Auffangstation angerufen, doch gibt es hier in Italien folgendes Problem. Wildschweine gelten als Plage und dürfen auf keinen Fall aufgepeppelt werden. Wenn man einen Tierarzt aufsucht ist dieser verpflichtet
die Guardia Forestale zu rufen und die nehmen die Frischlinge dann weg und sie werden entweder getötet oder kommen in eine Zucht wo sie dann zur Jagd wieder ausgesetzt werden. Wir haben sehr viel Hilfe von einem Tierheim und einer Wildtieraufzucht (die jedoch 6 Stunden von uns entfernt liegt) und wir haben inzwischen alle möglichen Tips bekommen. Nun habe ich aber doch verschiedene Fragen. Wir haben die beiden letzten Dienstag gefunden, sie hatten beide noch die Nabelschnur, allerdings schon etwas angetrocknet. Inzwischen ist die abgefallen. Am dritten Tag haben wir sie zum erstenmal gewogen, sie wogen 850 und 950 gramm. Inzwischen ist die 850 bei 1300 und 950 bei beinahe 2000. Wir füttern regelmäßig, tagsüber alle 60 Minuten in der Nacht 1,5 Stunden, weil mehr für uns einfach nicht machbar ist. Sie haben Wärmfalschen und einen Heizstrahler. Ferkelaufzuchtsmilch gibt es hier leider nicht. Sie trinken momentan Hunde und Katzenaufzuchtsmilch und haben bisher keine Probleme (sowie Durchfall etc.) Ich habe im Internet gelesen das ein Frischling bei der Geburt so um die 700 Gramm wiegt. Daher vermute ich das die beiden evtl 2 oder 3 Tage alt waren. Hat jemand informationen wann die Nabelschnur bei Frischlingen normalerweise ganz abfällt? Eine Bekannte aus dem Tierheim sagte heute das es durchaus sein kann das die beiden es nicht schaffen werden. Ich dachte nach einer Woche eigentlich das die beiden durchkommen. Doch sie sagte sie hätte zweimal 2 Frischlinge gehabt, einmal haben sie überlebt und einmal ging es nach 2 bis 3 Wochen ganz plötzlich schlechter und sie haben es nicht geschafft. Ich habe folgende Fragen:
Wie lange ist der Zustand der beiden eher kritisch? Wenn sie es überleben, ab wann bekommen sie festes Futter? Ab wann dürfen die beiden nach draussen?
Wieviel sollte pro Mahlzeit getrunken werden?

18.04.2012 22.52 | sheitan |
Hallo,

ich habe mal einen Beitrag aus unserem Forum kopiert, der Dir vielleicht weiterhelfen kann. "Leitbache" kennt sich sehr gut mit Wildschweinen aus.

hm, so ganz eingetrocknet ist der Nabel ja noch nicht und die Schalen sind auch noch rosa-rot... denke, max. 5 Tage wird der Frosch alt sein.
Die Haut ist ja doch recht gerötet... normalerweise sollte sie -wenn der Nabel fertig abgeheilt ist- wie der Rest von Bauch/Schenkeln sein, also weiß/blaß rosa. Vielleicht doch ein Auge drauf haben oder einen TA drüber schauen lassen. Konfusion
Ist die gerötete Stelle besonders warm? Hast Du eine Wärme-/Rotlichtlampe?

Als Futter empfehle ich das Ferkelvollfutter aus dem Landhandel (Raiffeisen). Ist ein Milchpulver zum Anrühren und kostet nicht die Welt. Ein 15kg-Sack reicht aus (immer weniger Milch, immer mehr Haferflocken/Reis/...), dann sollte der Kleine komplett auf feste Nahrung umgestellt sein.

Wenn der Frischling nicht aus der Flasche saufen will, laß` ihn. Da er ja aus dem Napf säuft ist`s völlig in Ordnung (und ´ne schöne Sauerei), gewöhne ihm den Nuckel gar nicht an. Gibt nur Geschrei.
Die nötigen Mineralien etc. sind in der Ferkelmilch drin. Wenn der Kleine möchte laß` ihn bei schönem Wetter (windgeschützt) im Garten in der Erde buddeln, dabei nimmt er mit dem Grund das notwendige Eisen auf. Eine Spritze ist dann nicht mehr erforderlich (gibt nämlich auch nur Geschrei großes Grinsen ).

Füttern würde ich ihn immer dann wenn er anfängt, richtig Rabatz zu machen. Gib` ihm anfangs nicht so viel (denke, mit 250ml pro Fütterung wird er satt zu bekommen sein) und wenn er satt ist, die restliche Milch wegstellen. Lieber mehrmals am Tag füttern. Und ihm spät abends den letzten Napf hinstellen (als "Nacht-Snack") und erst wieder früh morgens eine Ladung Milch geben (sonst tyrannisiert er Dich rund um die Uhr).
Ist eine Sache des Augenmaßes: einen kleinen runden Milchbauch kann das Wutzchen nach jeder Mahlzeit haben, nur wenn er wie ein Hängebauchschwein eine richtige Trommel mit sich herumschleppt (wenn der Bauch so dick ist, daß Du ihn bei Draufsicht auf den Frischlingssücken seitlich hervorgucken siehst) ist`s definitiv zu viel. Das gibt beim Wachstum möglicherweise Gelenkprobleme.
Ach, und soweit ich mich erinnere haben wir bei unserem Frosch nach dem Füttern immer Bauch und Hintern gerieben. Für eine bessere Verdauung und einen schönen Schiß. Bääääh!
Die Bache läßt die ersten 7 bis 10 Tage (je nach Witterung) die Frischlinge nachts auch alleine im Kessel zurück um alleine auf Nahrungssuche zu gehen.

Hoffe, ich konnte etwas weiterhelfen.

Viele liebe Grüße
Helga

19.04.2012 17.45 | Leitbache |
Hallo Pina,

sind ja noch richtig zerbrechlich, die Kleinen.

Füttern würde ich sie pro Mahlzeit, bis sie satt sind (keine Angst, das werden anfangs natürlich nie und nimmer 250ml sein; denke, so mit 50 bis 100ml ist das ok) und dann Nuckel/Napf bis zur nächsten Fütterung wegstellen.

Ich möchte Dir keine Angst machen, aber es kann durchaus sein, daß sie die ersten Wochen nicht überleben, möglicherweise sind sie krank (Herzfehler, Immunschwäche, irgendwas an Viren o.ä.), weswegen die Bache sie zurückgelassen hat.
Vielleicht erholen sie sich und gehen später ein... hm, tja, ab wievielen Wochen so ein Wutzchen über`m Berg ist ist schwer zu sagen. Die Schwester unsere Bache wurde parallel von einem Bekannten aufgezogen, sie war kerngesund. Nur hatte sie halt ihren eigenen Kopf und randalierte immer häufiger, wurde ausquartiert und damit sie nicht so einsam war wurde sie mit 3 gleichaltrigen Ferkeln zusammengesetzt.
Fazit: die Bache fing sich von den Ferkeln einen Hausschweine-Virus und ging innerhalb von 3 Tagen an Durchfall ein. Und da war sie bereits 3 Monate alt.
Ich habe bei Bella jeden Morgen gebangt, ob sich noch lebt... mit 6 Monaten wurde ich dann entspannter, und ab einem dreiviertel Jahr war es sicher, daß sie nicht noch an irgendwelchen Spätfolgen eingehen würde.

Ich denke ´mal, so ab 6 bis 8 Wochen (???) kannst Du versuchen, parallel zum Fläschchen geweichte Haferflocken anzubieten. Und wichtig: biete ihnen die Möglichkeit zu buddeln (selbst, wenn es nur eine kleine Schüssel mit Erde ist).
Regen und Wind ist für junge Frischlinge oftmals tödlich, die unterkühlen und fangen sich schnell eine Lungenentzündung. Kälte ohne Nässe vertragen sich eher (die Bache wärmt ja auch).
Besser, Du läßt sie -wenn`s richtig angenehm warm draußen ist- in einer geschützen Ecke brummen.

Die Nabelschnur ist bei Bella etwa mit etwa 1 Woche abgefallen.

Ach, und wegen dem Futter: bitte versuche, die Milch fetthaltiger zu machen: selbst Kuhmilch ist zu fettarm. Ich weiß nicht, ob Babymilch gut ist, aber bestimmt eher als Welpenmilch... (*bitte um Korrektur, falls ich da falsch liege*)
Habe irgendwo gelesen, daß man Frischlings-/Ferkelmilch auch selbst mischen kann, zumindest gehören in die Kuhmilch u.a. ein Eigelb, Sahne und Mineralien/Spurenelemente/??? hinein. Bitte erkundige Dich darüber aber nochmal, nicht, daß ich da ´was falsch in Erinnerung habe.

Tja, so spontan wüßte ich nicht, was ich noch schreiben könnte... ´mal angenommen, Du brinst sie durch:
Hast Du Dir auch überlegt, was aus den Frischlingen werden soll, wenn sie älter sind? Kannst Du sie halten? Ausbruchsicheres Gehege? Futter?
Meine Bache wog mit 1 Jahr 60kg (in der Natur hätte ihr Gewicht bei 35-45kg gelegen), heute, mit 4 Jahren, bringt sie stolze 120kg auf die Waage.
So ein Wutzchen kann zwischen 12 und 15 Jahre alt werden... das ist schon eine ordentliche Verpflichtung, die Du da eingehst. Zumal Du die Sauen ja nicht so einfach irgendwohin mitnehmen kannst wie einen Hund... und wie Du die Situation bei Dir geschildert hast wird es auch sehr schwierig werden, sie weiterzuvermitteln, da ja allein schon die Haltung strafbar ist.

Ich möchte Dich damit nicht beunruhigen, aber denke bitte auch darüber nach, was mit den Wutzchen auf Dauer geschehen soll.


LG, Sandra

19.04.2012 22.12 | pina |
Vielen Dank für die Antworten. Inzwischen geht es dem Kleineren der beiden nicht so gut. Er hat Husten und ist relativ schwächlich. Der Tierarzt meinte es könnte eine Lungenentzündung sein und wenn es nicht besser werde sollte ich drei Tage lang Baytril geben. Ich habe inzwischen eine Aufzuchtsmilch für Schafe und Ziegen gefunden welche nach Auskunft des Tierarztes (scheint ein Schweineexperte zu sein und er wurde über das Tierheim kontaktiert) ok zu sein scheint. Ich werde trotzdem ab morgen Sahne und Ei zumischen. Die Idee mit der Erde kam mir heute auch, ich hab ihnen jetzt so eine Auflaufform mit Erde reingestellt. Das wurde dankend und grunzend angenommen :) Am Anfang hatte ich schon einen Baumstumpf hingestellt, da schubbern die sich immer dran.
Wegen der Plätze hatte ich am Anfang auch sehr viel Sorgen, inzwischen haben wir 2 Plätze gefunden welche sie aufehmen würden, allerdings erst wenn sie "abgestillt" sind. Die Menschen aus dem Tierheim haben auch noch Kontakte welche die zwei wohl unterbringen könnten, doch wurde gesagt das wir erstmal abwarten sollen ob sie es schaffen. Wir haben zwar auch Platz da wir ein großes Grundstück in den Bergen haben, und das nächste Haus relativ weit weg ist, also Platz wäre sicher mehr als genug, doch zur Jagdsaison wird direkt neben unserem Haus gejagt und ich weiß nicht ob das so richtig wäre, vor allem weil die beiden ja (wie gesagt) nicht so ganz legal sind. Ich werde die nächsten Tage nochmal berichten wie es den zweien ergeht und bestimmt noch weitere Fragen stellen ;)

20.04.2012 09.53 | Morten |
Ich wünsche Dir und den beiden ganz viel glück !!! Ich finde es toll das es Menschen gibt die sich so liebevoll um so arme Kreaturen kümmern. Da ich selbst im Ausland lebe ( Spanien ) weiss ich das das gerade hier wohl nicht so alltäglich ist !!! Im Ausland ich denke mal das ist in Italien nicht anders...sind Tiere und gerade solche nur Nutzgegenstände mit denen man weniger gut umgeht als mit seinem Gartenwerkzeug.

Gruss Morten

20.04.2012 23.14 | pina |
Ja, leider ist es so. Überall um mich herum sind Tiere nur Gegenstände und werden in teilweise erschreckenden Zuständen "gehalten". Und auch nur zum essen. Die meisten Menschen hier können nicht verstehen warum man Tiere hat wenn man sie nicht essen möchte. Scheint wohl keinen Sinn zu machen, weil sie ja nur Geld kosten und Arbeit machen. In dem Dorf sind alle Jäger, wirklich alle, und genau darum sind die zwei jetzt auch bei mir. Als wir die zwei aufgelesen haben dachten wir sie bleiben evtl einen oder zwei Tage bei uns, bis wir eine Auffangstation oder so etwas gefunden haben. Nur als dem nicht so war, und sich die ganze Sache soviel komplizierter rausstellte sind sie halt geblieben.
Jetzt hab ich auch noch ein paar Fragen. Die Größere schubst den Kleineren ständig, manchmal richtig "hart" tut mir dann beinahe leid. Was hat das zu bedeuten? Außerdem wollte ich wissen ob zuviel oder zuwenig Fettgehalt in der Milch Durchfall verursacht. Da hab ich verschiedene Dinge drüber gelesen, gehört. Da "Wildtiere" ja eigentlich in der Muttermilch einen wesentlich höheren Fettgehalt haben. Und zu letzt, bei wieviel Gramm sollte die Gewichtszunahme pro Tag liegen? Ich hab bei den beiden manchmal das Gefühl sie wachsen ein zwei Tage gar nicht, weil das Gewicht (bis auf 50 Gramm) nicht nach oben geht und dann sind sie in einem Tage wieder 200 Gramm mehr. Danke nochmal.

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